"Warum bin ich liberal?" - Schreibwettbewerb in Ägypten

Preisträger, Juroren und Organisatoren auf der Bühne des Sawy Zentrums Der Andrang überraschte: Über 170 geladene und nichtgeladene Gäste drängten sich ins Sawi Kulturzentrum in Zamalek/Kairo, um dabei zu sein bei der Auszeichnung der Gewinner des Schreibwettbewerbs „Warum bin ich liberal?“, den die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit der Egyptian Union of Liberal Youth (EULY) durchgeführt hat. Es war ein durchaus spannender und – aus liberaler Sicht – allemal erfreulicher Abend: Die Anspannung entlud sich in tosendem Beifall, als Stiftungs-Mitarbeiter Hani Abdel Malak den Gewinner des ersten Preises bekannt gab: Mohamad Saad Mohamad, ist führendes Mitglied der Jugendorganisation der liberalen Al Ghad-Partei in der ägyptischen Küstenmetropole Alexandrien und schrieb ein Essay über „Liberalismus und Flexibilität“.

Logo „Ich bin liberal“ für neue Kampagne Insgesamt wählten die Juroren, vier alt gediente ägyptische Intellektuelle mit nachgewiesener Kompetenz in der liberalen Ideengeschichte, zwanzig jugendliche Gewinner aus. Von diesen versammelten sich an diesem Abend achtzehn auf der Bühne des Kulturzentrums zur förmlichen Gratulation. Bevor sie die Urkunden und die Belegexemplare mit ihren ausgezeichneten Texten entgegennahmen, traten alle an das Mikrophon für eine Ansprache mit Kurzversion der Antwort auf die Frage: Warum bin ich liberal?
Angetan von so viel liberalem Bekenntnis und guter Rhetorik sagte Regionalbüroleiter Ronald Meinardus: „Diese Beiträge demonstrieren in klarer Sprache die intellektuelle Kraft und Dynamik der liberalen Jugendbewegung in Ägypten.“ Meinardus ergänzte, dass die Stiftung weiterhin im Schulterschluss mit ihren Partner liberales Gedankengut verbreiten werde, um – so die Kernbotschaft dieses Abends – in alle Richtungen deutlich zu machen, dass die Idee der Freiheit fest verwurzelt ist im Bewusstsein vieler ägyptischer Jugendlicher.
Aha-Erlebnis der besonderen Art

Ronald Meinardus Für den Großteil der Preisträger war es das erste Mal, dass sie ihre Gedanken in Buchform publiziert sahen. Neben der persönlichen Freude und dem Autorenstolz entging den jugendlichen Schreibern die politische Dimension der Veranstaltung keinesfalls: „Es ist das erste Mal, so sagte Cynthia Ferhat, dass die liberale ägyptische Jugend für ihre Beiträge ausgezeichnet und nicht bestraft wird.“ Für die liberale ägyptische Aktivistin was es ein Aha-Erlebnis der besonderen Art, vor einem gestandenen Publikum Rederecht zu haben: „Es ist gar nicht üblich in Ägypten, dass junge Menschen sprechen und die alten Menschen dasitzen und uns zuhören“, so Ferhat.
Die öffentliche Veranstaltung im Sawy Zentrum fand lebhaftes Interesse auch bei den Medien. Ein halbes Dutzend Kamerateams drängten sich vor der Bühne; die Stiftung hatte die auflagenstarke ägyptische Tageszeitung Al Masry Al Youm als Mediapartner gewonnen, und in den kommenden Tagen sollen über die Kommentarspalten des Massenblattes ausgewählte Beiträge der Preisträger ans Volk gebracht werden. Der 150-seitige Sammelband ist im Marousa Verlag in der von der Stiftung in arabischer Sprache veröffentlichten Serie „Liberale Texte“ erschienen.
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Schreibwettbewerbs „Warum bin ich liberal?“ startet die Stiftung nach der Sommerpause eine Reihe von publikumswirksamen Aktivitäten unter dem Motto „Ich bin liberal“ (Ana Librali). Das Logo der neuen Serie wurde am Rande der Preisverleihung vorgestellt.
Alle ausgezeichneten Beiträge in arabischer Sprache
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