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Wissen existiert nur zwischen den Ohren

Management, so scheint es, ist zu einem Suffix für jedes beliebige Nomen des deutschen Wortschatzes geworden. Tourismus, Katastrophen, Kultur, Zeit, Bildung und zu guter letzt sich selbst, all das kann man neuerdings "managen". So ist nun auch das Wissen wortgewaltig in den Verein der "managebaren" Wörter aufgenommen worden. Toll, dachten wir uns als Stipendiaten des Arbeitskreises Bildung, da sollte man mal mehr drüber in Erfahrung bringen. Das könnte uns doch allen etwas nützen. Und so entstand unser Seminar "Wissensmanagement".

 

Doch so einfach war das dann alles auch wieder nicht. Auf der Suche nach dem richtigen "management approach" für unser Wissen sind wir zunächst mal über den Begriff selbst gestolpert. Google spuckt circa 57 Million Ergebnisse zum Suchwort "Wissen" aus, selten sind zwei darunter, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen. So war unser erster Schritt, einen Experten zu befragen. Eine eindeutige Definition, so erklärte uns Dr. Wulf Kellerwessel, Philosophieprofessor an der RWTH Aachen, existiert für Wissen nun mal nicht, obwohl sich große Denker seit Jahrtausenden die Köpfe darüber zerbrechen. Über Ihre Versuche, den Begriff Wissen zu fassen und festzunageln, haben wir uns am ersten Seminarabend in philosophischen Diskussionen erschöpft.

 

Auch wenn wir keine eindeutige Definition finden, so eine Ahnung von dem, was wir mit Wissen meinen, haben wir ja doch. Und schon kam die nächste Überraschung. Wissen managen, das würde bedeuten Wissen festzuhalten, strukturiert aufzubereiten, und für sich selbst und/oder andere zugänglich zu machen. Und strenggenommen, ja strenggenommen geht das gar nicht. Denn, wie Ulrich Schmidt, Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement und Wissensmanager bei EnBW, es formuliert: "Wissen existiert nur zwischen den Ohren". Ganz pragmatisch können wir also nur Informationen managen, die im Kontext mit unseren Erfahrungen und Werten zu Wissen werden.

 

Konkret wurde es aber dann doch noch, mit Simon Dückert, Inhaber von Cogneon, und einem bunten Regenbogen aus Werkzeugen, um dem persönlichen Wissenschaos beizukommen, von persönlichen Wikis über Twitter, Xing, Wissenslandkarten und die "Getting Things Done"-Methode. Zur Mittagspause konnten wir also Hoffnung schöpfen, dem information overload doch gut gewappnet entgegentreten zu können, so dass wir uns am Nachmittag in Seitenstraßen des Themas vorwagen konnten.

 

Dr. Oliver Lamprecht, Mitarbeiter im Bundeswirtschaftsministerium und Altstipendiat, und Rosemarie Steinhauer, Mentee im FDP-Mentoringprogramm, berichteten über das Netzwerken und die Weitergabe von Wissen durch Mentoring auf der Bühne der Politik. Daniela Pscheida, Referentin des Cusanuswerks, gab uns im Anschluss einen Ausblick auf die Zukunft von Wissen in unserer Gesellschaft: Sie stellte ihre Dissertation "Vom Wandel des Umgangs mit Wissen - Überlegungen zur Zukunft des Wissensmanagements im Zeitalter der Digitalität" zur Diskussion vor. Letztere klang dann am gemütlichen Kaminfeuer im Foyer der Theodor-Heuss-Akademie aus.

 

Am Sonntag schließlich kamen wir doch noch einmal zur Seminarüberschrift "WissensMANAGEMENT" zurück. Wie gehen eigentlich Unternehmen mit ihrer wertvollsten Ressource, dem Wissen ihrer Mitarbeiter, und der Verbreitung desselbigen unter den Mitarbeitern, um? Ulrich Schmidt gab hier einige interessante Einblicke in die Bemühungen der EnBW in dieser Richtung. Schnell wurde jedoch klar, das viele Unternehmen in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen stecken, oder das Thema noch gar nicht für sich entdeckt haben.

 

Man darf also gespannt sein wohin sie sich entwickelt, unsere Wissensgesellschaft, obwohl doch eigentlich niemand wirklich weiß, was Wissen ist und ob man es nun "managen" kann oder nicht. Aber eines ist ganz klar: Das digitale Zeitalter wird auch am alterwürdigen Begriff des Wissens nicht spurlos vorübergehen.

 

Franziska Altenbeck

Arbeitskreisleiterin Bildung

letzte Änderung: 11.02.2010


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