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Fraktionen, Think Tanks, Unternehmen

Wie sieht es eigentlich mit der Vernetzung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit innerhalb des liberalen Umfeldes aus? Und welche Perspektiven eröffnen sich da wissenschaftlich oder auch beruflich für Stipendiaten? Diese Fragen kamen im Zuge des diesjährigen Strategieforums der Stipendiaten auf. „Fraktionen, Think Tanks, Unternehmen“ – mit liberalen Arbeitswelten beschäftigte sich das Seminar in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Ziel war es, Stipendiaten vor dem Sprung in den Job und Interessierten aus dem aktiven Arbeitsleben, einen Einblick in das liberale Umfeld zu verschaffen.

Der Beginn des 21. Jahrhunderts hat wirtschaftliche und politische Veränderungen mit sich gebracht. Diese Einflüsse auf unsere Gesellschaft erfordern Reflexion und öffentliche Diskussion seitens der Verantwortungsträger. Nur so werden wir am Ende innovative Lösungen für die Probleme hervorbringen, vor denen wir stehen, wenn wir gesellschaftlichen Wohlstand und Freiheit in dem Maße, wie wir sie uns erarbeitet haben, nicht nur erhalten sondern vergrößern wollen. Von daher überrascht es nicht, dass trotz der unterschiedlichen Ausrichtung der eingeladenen Referenten, die Frage der Nachhaltigkeit und eines integrativen Dialogs bei allen eine zentrale Rolle spielen. Den Diskussionen an diesem Wochenende lagen dieselben Fragen zugrunde: in was für einer Gesellschaft wollen wir in Zukunft leben, und was kann sinnvollerweise heute getan werden, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten?

Zum Auftakt durften wir Ronald Voigt, Senior Consultant bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) begrüßen. Die INSM macht Werbung und PR, allerdings nicht für ein Produkt, das auf Messen ausgestellt wird oder im Ladenregal zu finden ist, sondern für die Idee der Sozialen Marktwirtschaft. Dass dies eine kontroverse Aufgabe darstellt, erzählte uns Ronald Voigt ganz offen. Ihm sei gleich in den ersten Wochen klar geworden, dass man diesen Job nur mache, wenn man auch wirklich überzeugt davon sein könne. Denn die Initiative ist durchaus der Kritik ausgesetzt, wie sie uns auch von Marvin Oppong, freier Journalist aus Bonn und ehemaliger Stipendiat der FNF, unter anderem vorgetragen wurde. Er hat sich investigativen Journalismus zur Aufgabe gemacht und gab uns neben den vielfältigen Themen, über die er schreibt, auch Einblicke in die medienpolitische Positionierung der FDP. Mit ihm diskutierten wir nicht nur ausführlich über die INSM, sondern auch über den Einfluss von Blogs und die Sensibilisierung der Medienwelt für das Internet.

Mit Markus Becker-Melching hatten wir ein Mitglied der Geschäftsführung für Wettbewerbs- und Mittelstandspolitik des Bundesverbands deutscher Banken zu Gast. Eine Position, in der man allgemein als Lobbyist bezeichnet wird. Und so drehte sich die Diskussion neben der Analyse, wie denn ein Verband allgemein und der Bankenverband im speziellen arbeitet, um die Frage, was genau als Lobbyismus verstanden wird und ob die Kritik daran gerechtfertigt sei.

Annette Godart-van der Kroon, Präsidentin des Mises-Instituts sprach über die größtenteils noch sehr junge Think Tank-Kultur in Europa, die eigentlich erst jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts richtig ihren Anfang genommen habe. Dabei sind die Think Tanks, wie die Europapolitik selbst, noch mit Fragen der richtigen Positionierung, Arbeitsweise und vor allem wie eine nachhaltige und unabhängige Finanzierung zu gewährleisten sei, beschäftigt. Hier muss noch viel in Bewegung gebracht werden. Das Institute of Economic Affairs, präsentiert von Kristian Niemietz, der als Poverty Research Fellow dort arbeitet, hat sich bereits etabliert. Aber auch dort musste man sich in den Anfängen zunächst einmal klar werden, was man eigentlich bewirken wolle und vor allem wie. Das Prinzip, das Friedrich August von Hayek vorgeschlagen hat, liegt dabei heute allen Think Tanks oder auch anderen politischen Vorfeldorganisationen zugrunde: hier arbeiten und engagieren sich jene, die der Auffassung sind, die Politik werde sich dann ändern, wenn sich die Mehrheitsmeinung in einer Gesellschaft ändert. Ziel ist es also, aktiv am gesellschaftlichen Dialog teilzunehmen, um auf politische Veränderung einwirken zu können.

Dieses Ziel hat zum Beispiel auch das Institut für Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Diplom-Volkswirt Tobias Benz legte uns eine Nachhaltigkeitsanalyse der Fiskalpolitik vor, die sich ausführlich mit den Konsequenzen des demographischen Wandels auseinandersetzt. Wer danach den Eindruck gewonnen hatte, lieber doch eine Tätigkeit im direkten Einflussbereich der Politik zu ergreifen, bekam abschließend von Matthias Bosbach wertvolle Tipps: welche Möglichkeiten gibt es bei der FDP-Fraktion, in den Büros der Abgeordneten, auf Landes-, Bundes- oder Europaebene.

Viele Fragen konnten geklärt oder zumindest näher erörtert werden. Viele neue Fragen wurden aufgeworfen und dienen hoffentlich der Inspiration für wissenschaftliche Arbeiten, politische Projekte und gesellschaftliches Engagement. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die sowohl den Stipendiaten das liberale Umfeld näher bringt als auch einen integrativen Dialog für liberale Themen ermöglicht.

Florentine Hötzel
Arbeitskreisleiterin Demokratie
der Stipendiaten
letzte Änderung: 15.10.2009


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