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surF - Liberales im Netz Nr. 47 | 21. Oktober 2009

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama könnte sich als Danaer-Geschenk erweisen, die ohnehin hohe Erwartungshaltung für den US-Präsidenten zu einer schweren Last werden – selbst Spott sieht sich Obama inzwischen ausgesetzt.

Vor allem in den USA ist die Kritik an Obamas Politik deutlich lauter als hierzulande. Viel ankündigen, wenig durchsetzen – so lautet der Vorwurf allenthalben. So schöne Wörter wie "Ankündigungsminister" gibt es zwar nicht in der englischen Sprache, dafür aber eine Serie namens "Newsroom", die kein gutes Haar an Obama lässt. Getarnt als Nachrichtensendung berichtet "Newsroom" von Obamas neuestem Coup, der einer heimtückischen Naturkatastrophe ein Ende bereiten soll: Die Aufnahme diplomatischer Gespräche mit Waldbränden – man müsse sich, so seine Sprecherin, von der Haltung "Mensch gegen Feuer" lösen und das Feuer dazu bringen, die gemeinsamen Schwierigkeiten zu verstehen; ein Thinktank-Vertreter sieht ein Ende des "bekämpfenden Ansatzes" im Bezug auf Waldbrände gekommen.



Allerdings: Derlei respektloser Umgang mit dem Präsidenten ist nicht neu, das gab es schon im Wahlkampf und kurz nach Obamas Wahl – streckenweise in einer Form, die in Deutschland nur auf blanke Empörung stoßen würde, wie "USA erklärt" erklärt.

Dementsprechend haben Stellungnahmen bei uns eher analytischen Charakter. "Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama sagt mehr über die Sehnsüchte des Westens als über die Friedensfähigkeiten des US-Präsidenten", schreibt etwa Wolfram Eilenberger im Cicero und versucht zu erklären, warum wir Obama als Führer einer neuen Politreligion missverstehen.

Tobias Kaufmann stellt im Kölner Stadtanzeiger fest, seit Woodrow Wilson 1919 habe kein amtierender US-Präsident mehr den wichtigsten Preis der politischen Welt erhalten. Aber bei diesem Vergleich werde die Auszeichnung schon fragwürdig. "Wilson hatte seinerzeit den Völkerbund mit erschaffen, den Vorläufer der Vereinten Nationen. Obama dagegen hat, Stand heute, nichts Greifbares erreicht. Er hat nur Reden gehalten, hervorragende Reden wie jene in Kairo, aber eben nur: Reden."

"Jetzt wird die Lage wirklich gefährlich", schreibt Zettel im Hinblick vor allem auf die Iran-Politik der USA. Denn: "Ganz offensichtlich glauben sowohl die Iraner als auch die Russen, dass sie machen können, was sie wollen, weil der nobel-zertifizierte Friedensmensch in Washington ohnehin alles zulassen wird."

Mehr zum Standing von US-Präsident Obama erfahren Sie in unserem aktuellen Washington-Brief und in der Veranstaltung "From "Yes, we can!" to Wavering and Compromises? The Implementation of Obama's Campaign Promises" am 29.10.2009 in Berlin.
letzte Änderung: 19.10.2009


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