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surF - Liberales im Netz Nr. 36 | 05. August 2009

"Chronik einer Panik" - so titelte die Zeit vor fünf Jahren in einem lesenswerten Artikel und stellte ausführlich die Geburt und den Untergang des "Waldsterbens" dar. Eine Lehrstunde darüber, wie sich Medien und Wissenschaft gegenseitig zu Fehlleistungen anstacheln können... "Die Ironie der Geschichte wollte es", heißt es in der Zeit, "dass die Forstleute selbst - in ihrem Fachjargon hieß jede Baumkrankheit 'Sterben' - den Paniknamen 'Waldsterben' in die Welt setzten. Eine PR-Bombe von ungeheurer Wirkung."

 

Damals, 1981, hatten die Skeptiker - obwohl allesamt aus der Wissenschaft - noch keine vernehmbare Stimme in der Öffentlichkeit. Der stern titelte im September 1981: "Über allen Wipfeln ist Gift", gefolgt vom Spiegel im November mit der dreiteiligen Serie "Saurer Regen über Deutschland". Der Wald stirbt. Es folgte eine Negativberichterstattung, in der fast zehn Jahre lang kaum ein kritischer Wissenschaftler direkt oder durch einen Bericht zu Wort kam, die überdies zu hunderten Millionen an Fehlinvestitionen führte.

 

Als schließlich 1993 eine Expertenrunde beim Bundesforschungsministerium Entwarnung gab, brachten nur vier von 54 Tageszeitungen diese Nachricht, 50 berichteten stattdessen über die Probleme, die zu viel Stickstoff im Wald hervorruft.

 

Bei Greenpeace gibt es das Waldsterben noch. Es ist jetzt ein "schleichendes Waldsterben" und wird durch den Klimawandel verursacht. Besonders nach dem Hitzesommer 2003 war der Aufschrei groß, während auf das Aufatmen der Umweltschutzorganisation im Mau-Sommer 2009 noch gewartet wird.

 

Nimmt man sich den oben angeführten Zeit-Artikel vor oder auch die entsprechenden Passagen des Buches "Gerüchte machen Geschichte" von Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff und ersetzt darin Waldsterben durch Klimawandel, entdeckt man vieles wieder, was die gegenwärtige Klimadebatte prägt. Auch heute finden sich kritische Stimmen angesichts eines massenmedialen "5 vor 12 - Ende der Debatte!" nicht in der Öffentlichkeit - obwohl die Debatte gerade erst begonnen hat. Im Unterschied zur Waldsterbensdiskussion in den 80er Jahren gibt es heute allerdings das Internet, wo sich Vertreter der Gegenmeinung artikulieren können.

 

Zu jenen gehören auch Dirk Maxeiner und Michael Miersch, seinerzeit in der Chefredaktion der Zeitschrift natur. "Die Müllverbrennungsanlagen galten damals allgemein als Dioxinschleudern", erinnert sich Miersch. Als wir dann mal über den technischen Fortschritt in dem Bereich berichtet hatten, wollten das die Leser gar nicht lesen. Nur schlechte Nachrichten waren gute Nachrichten im Sinne unserer Kollegen und unserer Leser." Auch Maxeiner fallen ähnliche Beispiele ein. "Als ein Kollege trotz intensiver Recherche nicht nachweisen konnte, dass McDonald's-Deutschland den Regenwald zerstört, fanden wir beide, das sei doch auch eine Geschichte", so der damalige Chefredakteur. "Doch bei solchen Positivgeschichten wurden immer wieder Abos abbestellt, das passte einfach nicht ins Weltbild unserer Leser."


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letzte Änderung: 04.08.2009


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