Tagungsreihe "Migration": "Wissen als Importartikel?"

Publikum in Berlin
Wie wirkt sich Zuwanderung auf bestimmte gesellschaftliche Kernbereiche aus? Das zu beleuchten ist Ziel einer dreiteiligen Tagungsreihe, die die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit gemeinsam mit dem German Marshall Fund of the United States organisiert. Die Auftaktveranstaltung stellte die Interaktionen zwischen Zuwanderung, Wissenschaft und Forschungstransfer in den Mittelpunkt.
Wissen und Bildung sind zentrale Ressourcen für die Zukunft Deutschlands und eine durch internationalen Austausch diversifizierte Wissenschafts- und Forschungslandschaft ist ein bedeutender Standortfaktor für die nachhaltige Entwicklung der deutschen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. Obwohl jährlich mehrere zehntausend Studierende und Wissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland kommen, wandern gleichzeitig wissenschaftliche Eliten ab, weil andere Länder bessere Rahmenbedingungen für Wissenschaftler an den Hochschulen und Forscher in der Wirtschaft bieten. Was bedeutet das für die künftige Innovationsfähigkeit Deutschlands? Wie funktioniert der internationale Wissenstransfer? Welchen Einfluss hat der internationale Wettbewerb um die besten Köpfe auf Industrie- und Entwicklungsländer? Diese und andere Fragen wurden während der Veranstaltung in der Bayerischen Landesvertretung erörtert.

Neumann
Martin Neumann, forschungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, legte in seinem Impulsreferat dar, vor welchen Herausforderungen Deutschland als Wissenschafts- und Forschungsstandort aktuell steht. In Anbetracht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage gehe es vor allem darum, geeignete Bedingungen für einen effizienten Transfer von Forschungsleistungen in innovative und marktgerechte Produkte zu schaffen. Noch sei es nicht zu spät, die Weichen hin zu einer höheren Effizienz des deutschen Innovationssystems umzustellen.
Neumann betonte, „Innovationen sind ein Schlüssel für neue Produkte und Produktionsverfahren, mit dessen Hilfe Deutschland als rohstoffarmes Hochlohnland in einer globalisierten Welt seinen Wohlstand und zugleich seine Sozialsysteme dauerhaft sichern kann“. Leider wiesen in Deutschland viele wichtige Indikatoren, wie z.B. die Innovatorenquote, die Hightech-Gründungen oder die Handelsbilanz bei Hochtechnologien, eine negative Tendenz auf.
Die Struktur und die Dynamik des deutschen Wissenschaftssystems müssten deutlich verbessert werden, so Neumann. Im Weiteren kritisierte er die ablehnende Haltung vieler Parteien gegenüber der „Grünen Biotechnologie“, sprach den Klein- und mittelständischen Unternehmen eine zentrale Rolle im Innovationswettbewerb zu und unterstrich die Notwendigkeit steuerlicher Förderung für Forschung und Entwicklung sowie massiver Investitionen in die Qualifikation der jungen Generation. „Kluge Köpfe sind unser wichtigstes Kapital“, schloss der Abgeordnete.

Cooney, Neumann
Der Vize-Kanzler für Internationale Beziehungen an der Colorado State University, James Cooney, griff die Punkte des Abgeordneten auf und verwendete das Bild der „brain circulation“, um die positiven Auswirkungen von Migration auf den internationalen Wissenschaftsbetrieb zu beschreiben. Dabei beurteilte er die deutsche Exzellenzinitiative als einen richtigen Schritt zu mehr interdisziplinärer und institutioneller Verflechtung, zu Förderung von Spitzenforschung sowie zu einer Internationalisierung der deutschen Hochschullandschaft. Allerdings reichten die finanziellen Mittel deutscher Hochschulen derzeit nicht aus, um in Konkurrenz zu amerikanischen Universitäten zu treten.
Es sei bezeichnend, dass die deutschen Hochschulen lediglich einen Bruchteil dessen ausgeben, was amerikanische Universitäten in den wissenschaftlichen Nachwuchs investieren. „Während die Universität Harvard schätzungsweise 70.000 US-$ für einen Studenten ausgibt, kostet ein Student die TU München lediglich 15.000 US-$.“ Kritisch äußerte sich Cooney hingegen über die seit den Anschlägen des 11. September 2001 extrem strengen amerikanischen Einwanderungsrichtlinien, die Forschern aus dem Ausland den Zugang zum Wissenschaftsbetrieb der USA schwer machen. Dies würde vielfach dazu führen, dass Amerika in der Präferenzordnung für die internationale Forschungselite an Boden verliert und Länder wie Kanada oder Australien davon profitieren. Zahlreiche Erleichterungen wären an dieser Stelle vonnöten.




