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Frankfurt: Freiheitspreis 2008 für Mario Vargas Llosa

Die Frankfurter Paulskirche - bis auf den letzten Platz besetzt
Die Frankfurter Paulskirche - bis auf den letzten Platz besetzt
Die Reden der Preisverleihung finden Sie - soweit vorhanden - als Manuskript am Ende des Beitrags und jeweils als Video auf Seite 4.


Die Frankfurter Paulskirche hat schon viele historische Zusammenkünfte erlebt. Die Verleihung des Freiheitspreises 2008 der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an Mario Vargas Llosa war natürlich nicht die bedeutendste davon, aber eines zeichnete diesen Samstagmittag im November aus: Es war zu spüren, dass der Preisträger 1000 Freunde hatte im bis auf den letzten Platz besetzten Saal. Kein Wunder: Bei einigen Rednern des Tages klang das Bedauern an, der Liberalismus habe zu wenig prominente Vertreter im Kulturbetrieb, Autoren oder Künstler, die es vermögen, mit der Idee der Freiheit auch die Herzen zu erreichen, die Herzen gerade derer, die vor allem in der westlichen Hemisphäre schon zu sehr an die Freiheit gewöhnt sind.

 

Frank Schirrmacher
Frank Schirrmacher
Und nun wurde der Mann geehrt, der – Laudator Frank Schirrmacher deutete es an – wohl der einzige Schriftsteller von Weltruhm ist, der anders als die meisten großen Autoren des 20. Jahrhunderts keine kollektivistischen Lösungen für die Probleme unserer Zeit anbietet. Mario Vargas Llosa vertraut dem „Modell Freiheit“, er glaubt an die Kraft der Freiheit und gerade dieser Glauben und dieses Vertrauen waren es, was die Gäste gerne aufnahmen. In der Zeit der heftigen von der Finanzmarktkrise entflammten Grundsatzdiskussionen um die Marktwirtschaft erlebe man, so die Jury-Vorsitzende Karen Horn, „eine beispiellose Arroganz der Macht und eine erschreckende Ignoranz der Gesellschaft.

 

Eine liberale Stimme, die auch das Irrationale in uns erreicht

 

Mario Vargas Llosa trägt sich ins Goldene Buch der Stiftung ein
Mario Vargas Llosa trägt sich ins Goldene Buch der Stiftung ein
Umso wichtiger ist es, die Fahne des Liberalismus jetzt hochzuhalten, mit seinen Kernelementen, der liberalen Demokratie, der Marktwirtschaft und der Verteidigung des Individuums gegen den Staat“, sagte Horn. Der Liberalismus sei in der „rationalistischen Kälte der Aufklärung“ verhaftet Vargas Llosa, Gerhardt, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Jürgen Morlok
Vargas Llosa, Gerhardt, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Jürgen Morlok
und verstehe es nach wie vor nicht recht, die irrationalen Seiten des Menschen einzubeziehen.


Die liberale Stimme, die das Irrationale in uns erreiche, sei die Stimme Vargas Llosas, begründete Horn den Juryentscheid: „Mario Vargas Llosa ist einzigartig. Und dennoch wünschten wir, wir hätten mehr Menschen, die auch mit dem Wort so kraftvoll und überzeugend für die Freiheit werben.“ Wie gut dies der Preisträger vermag, verdeutlichte Laudator Frank Schirrmacher anhand einer Anekdote.

 

Karen Horn
Karen Horn
Eines Abends hatte ein – wie die meisten – kollektivistischen Ideen zugetaner europäischer Intellektueller Vargas Llosa gegenüber bedauert, dass in Lateinamerika so lange die sozialistischen Revolutionen ausgeblieben seien. „Der typische Südamerikaner“, antwortete der Schriftsteller, „will kein Leben wie in Kuba oder in der DDR. Er will so leben wie Sie.“

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letzte Änderung: 12.08.2010


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