Musik und Wort: Auftakt zu "Beethovens Freiheit" in München
Liberale politische Bildung beschreitet gelegentlich ungewöhnliche Sinneswege: Etwa einhundert Gäste kamen zum Auftakt einer bundesweit gestarteten Veranstaltungsreihe im Regionalprogramm und hörten ein wahres Zwiegespräch von Wort und Musik: Bis jeweils eine Violinsonate des Opus 30 (Nr. 6 A-Dur und Nr. 7 c-moll) erklang, las Solveig Palm, Musikpädagogin, Autorin und Altstipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Anekdoten und Texte, die Beethovens Leben und dessen unabhängige und gewaltige schöpferische Schaffenskraft vor den Hintergrund seiner Zeit darstellte, eine Zeit des großen politischen Umbruchs in Europa, in der Beethoven einen „neuen Weg“ des Komponierens ging, wie er es nannte.
Gerhard Söltenfuß, Bereichsleiter Pol. Bildung und Begabtenförderung, Annette Rehberger (vl), Solveig Palm und Stephan Hohlweg (p) Beethoven notiert einen nur leicht abgewandelten Satz des großen Aufklärers Kant in sein Konversationsheft: „Das moralische Gesetz in uns und gestirnte Himmel über uns – Kant!!!“ Die Notiz stammt aus dem Jahre 1820, längst nachdem Beethoven berühmt und vor allem sein epochales sinfonische Schaffen die Musik nicht bloß veränderte, sondern gleichsam durch ihre höchst intensive emotionale Breite und Tiefe revolutionierte.
Schlüssel und Lehrstück des Abends zugleich waren die beiden Lesungen eigener Texte von Solveig Palm. So konnten Kenner und Liebhaber Beethovenscher Sonaten ausgewählte Stücke mit ganz anderen Ohren hören: Denn es ist Beethovens ganz individualisierte Tonsprache, die stete Gleichberechtigung der Instrumente in seiner Musik und eine schon früh grenzüberschreitende Kompositorik, die den damaligen bürgerlichen Aufbruch zu Selbstbestimmung, zu Freiheit und Mündigkeit des Einzelnen zu einer spürbaren klanglichen Einheit vermittelte.
Die Sonaten wurden ebenso konzentriert wie gefühlvoll vorgetragen vom „Rubin Duo“ mit Annette Rehberger (Violine) und Stephan Hohlweg (Klavier), beide vielfach ausgezeichnete Künstler. Das klassizistische Ambiente des Millerzimmers im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz lieferte mit seiner unaufdringlichen Akustik mehr als nur das richtige Ambiente des Abends.
Eine Besonderheit für die Gäste – das Ende des gelungenen Vortrags war nicht das Ende des Abends: Bei einem gemeinsamen Glas Wein konnten sie mit den Musikern und der Autorin sowie untereinander ins Gespräch kommen – erst gegen Mitternacht traten viele erfüllt und bereichert um eine besondere Wissensfacette den Heimweg an.
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