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| Präsentation der Arbeit des Vereins "Hilfe für Malawi" |
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| Der Entwicklungsexperte Professor Franz Nuscheler diskutiert mit Teilnehmern |
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| MdB Dr. Karl Addicks in der Diskussion mit Seminarteilnehmern. |
Im zweiten Teil des Vormittags wandten sich die Podiumsgäste in gemeinsamer Runde mit den Seminarteilnehmern der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure im Entwicklungsprozess zu. Im Zuge der Bestrebungen nach größerer lokaler Partizipation und „ownership“ der Entwicklungsmaßnahmen sind vor allem lokale Nichtregierungsorganisationen (NRO) zu wichtigen Partnern in der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Die Rolle des zivilgesellschaftlichen Sektors als willkommener Konsultationspartner und als Legitimationsbasis internationaler Entwicklungsprogramme hat in vielen Empfängerländern geradezu einen NRO-Boom ausgelöst. Diese NRO repräsentieren jedoch nur einen geringen Teil der Zivilgesellschaft in Entwicklungsländern. Rainer Erkens wies darauf hin, dass mit Zivilgesellschaft vor allem bürgergesellschaftliches Engagement gemeint sei, also der freiwillige Zusammenschluss von Menschen zur Erbringung von Gemeinschaftsleistungen. Beispiele hierfür können lokale Selbsthilfeorganisationen, Bürgerinitiativen, oder auch der selbstverwaltete Fußballclub sein. Von anderer Seite wurde betont, dass die Erbringung vieler öffentlicher Leistungen in Afrika nicht durch staatliche Institutionen erfolgt, sondern auf der Selbstorganisationsfähigkeit sozialer Gruppen und der besonderen Bedeutung familiärer Gemeinschaften beruht. Anhand verschiedener Beispiele wurde deutlich, dass diese Merkmale afrikanischer Gesellschaften sowohl wohlfahrtssteigernde Wirkungen haben, in bestimmten Kontexten aber auch Klientelismus und Patronage begünstigen können.
Beeindruckende Beispiele zivilgesellschaftlichen Engagements deutscher Nichtregierungsorganisationen in Afrika konnten die Seminarteilnehmer am Nachmittag dieses Seminartags erfahren. Fünf Vereine präsentierten ihre Projekte und zeigten, wie bereits mit geringen Mitteln und großem persönlichen Engagement Menschen in Afrika in ganz unterschiedlichen Bereichen geholfen werden kann:
– Dr. med. Harald Braun und Rainer Weiß stellten den Verein „Hilfe für Malawi“ vor, der sich die Verbesserung der Lebensbedingungen in Hinblick auf die ärztliche Versorgung in Malawi zur Aufgabe gemacht hat. Im Zentrum der Arbeit des Vereins steht die Unterstützung eines Geburtshilfekrankenhauses im malawischen Distrikt Nkhotakota. Dr. Braun hatte dieses Krankenhaus im Rahmen eines mehrjährigen Auslandsdienstes geleitet, und seine Berichte von den Zuständen der medizinischen Versorgung in Malawi hatten die Bürger seiner Heimatgemeinde, dem hessischen Riedstadt, zur Gründung des Vereins veranlasst.
– Joachim Schlange präsentierte die Arbeit des Vereins Sahel e.V., der in Burkina Faso ein Waisenhaus unterstützt, das 1995 von der Deutschen Katrin Rohde gegründet wurde. Joachim Schlange ist gleichzeitig in dem, von der Otto Gruppe ins Leben gerufenen Projekt „Cotton – made in Africa“ engagiert, das eine Nachfrageallianz unter Handelsunternehmen nach afrikanischer Baumwolle schaffen will, die nach hohen sozialen und ökologischen Standards produziert und verarbeitet wird.
– Elisabeth Steegmann und Hermann Depenbrock stellten das Projekt Haus Dogbo vor, das sich in dem westafrikanischen Staat Benin um die Absicherung der Schul- und Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher bemüht.
– Entwicklungsmaßnahmen ganz anderer Art hat sich der Verein Sonnenenergie für Westafrika zum Ziel gesetzt, von dessen Arbeit Dr. Bernd Hafner berichtete. Der Verein bietet in Westafrika über lokale Partner mehrere, für diese Region entwickelte Produkte zur Solarenergienutzung an, darunter ein Solarkocher, solarbetriebene Beleuchtungsanlagen für Schulen und Solarladestationen für Akkumulatoren, die in kleineren Landwirtschaftsmaschinen zum Einsatz kommen.
– Altstipendiat Dr. med. Surjo Soekadar präsentierte die Arbeit des Vereins Lebenschancen International, mit dem Stipendiaten der Stiftung in den Jahren 2002-2004 ein Berufs- und Gesundheitszentrum für 10.000 Jugendliche in Paraguay aufgebaut haben. Surjo rundete die Projektvorstellungen mit der Präsentation der von ihm mit initiierten Global Marshall Plan Initiative ab, die für eine gerechtere Globalisierung eintritt und durch ein weltweites Netzwerk namhafter Persönlichkeiten und öffentlicher sowie privater Organisationen unterstützt wird.
Die Projektvorstellungen ermöglichten einen ganz anderen Zugang zum Seminarthema, als es zuvor im wissenschaftlichen Diskurs der Vorträge und Podiumsdiskussionen der Fall war. Aus den Erfahrungsberichten der NRO-Vertreter wurde deutlich, welche Schwierigkeiten und Chancen die praktische Projektarbeit in Afrika birgt. Vor allem aber haben die Projektpräsentationen eines gezeigt: dass es möglich ist, etwas zu tun und dabei selbst in den Teufelskreis aus Armut und fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten vieler Menschen in Afrika einzugreifen und Lebenschancen mitzugestalten.
Den Beweis für die Tragkraft dieser Einsicht lieferten die Teilnehmer am dritten und letzten Seminartag: Unter der Moderation von Matthias Altmann stellten sich die Teilnehmer die Frage: „was können wir selbst tun?“. Auf der Suche nach einem eigenen Projekt der Naumann-Stipendiaten (und externen Seminarteilnehmer) bestand Einigkeit darüber, dass es sinnvoll sei, die Strukturen und Erfahrungen einer bestehenden Organisation zu nutzen. Auch war aus dem bisherigen Seminarverlauf deutlich geworden, dass fremde Hilfe die Lebensbedingungen der ärmsten Menschen dort besonders wirksam verbessert, wo sie in den Ausbau grundlegender Bildungs- und Gesundheitsdienste investiert wird. Diese Elemente vereinte in idealer Weise eine Projektidee, die aus dem Erfahrungsbericht des Vereins „Hilfe für Malawi“ hervorgegangen war. Dr. Braun und Rainer Weiß hatten in ihrer Präsentation darauf hingewiesen, dass Geburten in Malawi häufig von traditionellen Hebammen begleitet werden. Sie genießen das Vertrauen der Mütter und erfüllen somit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Allerdings ist die Rate von Totgeburten und Müttersterblichkeit bei traditionell betreuten Geburten relativ hoch, da es den traditionellen Geburtshelfern oft an der notwendigen Ausstattung und Kenntnissen in Fragen der Hygiene und dem Umgang mit Krankheiten wie HIV/Aids fehlt. Durch ein Schulungsprojekt für traditionelle Hebammen könnte deren Arbeit professionalisiert und die Gesundheitssituation von Müttern und Neugeborenen in Malawi verbessert werden. Als Schulungsmaßnahme besitzt ein solches Projekt darüber hinaus auch die Voraussetzungen für eine mögliche Bezuschussung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
In dem Prozess der Ideenfindung für ein eigenes Projekt wurde deutlich, dass die Seminarteilnehmer nicht nur bestrebt waren, sinnvolle Hilfe für Afrika zu leisten. Vielfach wurde betont, dass ein solches Projekt auch von einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Verständnis von Hilfe begleitet sein müsse. Die Zielgruppe der traditionellen Hebammen darf nicht auf ihre Rolle als Empfänger externer Hilfe reduziert werden. Vielmehr geht es darum, die kulturelle Identität der jeweiligen Partner zu respektieren und verstehen zu lernen. Die Projektarbeit soll daher mit Debatten zu der Frage verbunden werden, wie gleichberechtigte Partnerschaften, und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, in der Entwicklungszusammenarbeit der Industrieländer mit Afrika verankert werden können.
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| Gruppenfoto der Seminarteilnehmer |
Abgerundet wurde das Seminar durch eine begleitende Fotoausstellung, die im Foyer der Theodor-Heuss-Akademie Einblicke in die Arbeit von Lebenschancen International in Nepal gab, durch zwei Dokumentarfilme, die am Abend des zweiten Seminartags über den Handel mit Kleinwaffen und die Reise einer kenianischen Studentin von Kairo nach Johannesburg informierten („The Devil’s Footpath“) und - last but not least - Bestleistungen des Gastronomie-Teams der Theodor-Heusss-Akademie, das passend zum Seminarthema Gerichte der afrikanischen Küche servierte.
Das Seminar wurde von den Teilnehmern nicht nur wegen seines vielseitigen Programms mit Begeisterung aufgenommen. Auch das Seminarziel, ein eigenes Entwicklungsprojekt zu initiieren, traf auf großes Interesse und wurde von den Teilnehmern engagiert verwirklicht. Dieses Ergebnis ist ein erfreulicher Beleg dafür, dass die Auseinandersetzung mit der Situation Afrikas, und das Interesse an der Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung im Themenschwerpunkt „Globalisierung und Entwicklung“ innerhalb wie außerhalb der Stiftung ein großes Publikum finden. Die Anmeldungen für das Seminar „Hilfe für Afrika?“ überstiegen bei weitem die Zahl der verfügbaren Plätze. Alle, die sich weiterhin aktiv mit dem Seminarthema auseinandersetzen und konkret zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Malawi beitragen wollen, können dies durch eine Mitarbeit im Projekt der Stipendiaten tun, und sind an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen!
Matthias P. Altmann
Promotion im Fach VWL an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt
Stipendiat seit Oktober 2005
altmann.matthias@tele2.de
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