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Lebenschancen Malawi - Ein Projekt für Afrika

Workshop-Teilnehmer mit
Workshop-Teilnehmer mit "Malawi-Spenden-Schweinchen" der Dr. Reinold Hagen Stiftung
„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.“ Ein afrikanisches Sprichwort, das den Kern des Workshops trifft, zu dem sich die rund zwanzig Teilnehmer – Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie externe Teilnehmer – aus Kamerun, Niger, Cote D’Ivoire und Deutschland in der Theodor-Heuss-Akademie (THA) versammelten. Weniger als zwei Monate nach der Geburt dieser Idee nahm das Afrika Projekt der Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung bereits konkrete Züge an.

Der Workshop
Das Treffen war kein klassisches Seminar im Sinne von Fachvorträgen und -diskussionen, sondern ein Workshop bei dem im wahrsten Sinne des Wortes "gearbeitet" und damit begonnen wurde, die Ideen des Vorgängerseminars in die Tat umzusetzen. Das Marketingkonzept, die Fundingstrategie, der BMZ-Antrag und viele andere Dinge, die für den Erfolg unseres Projektes "Lebenschancen Malawi" ausschlaggebend sind, galt es nun zu konkretisieren und in die Tat umzusetzen. Hierbei konnten alle Teilnehmern ihre Kreativität, ihr Wissen, ihre Vorstellungen hinsichtlich der Projektumsetzung und vor allem ihre Motivation einbringen. Zu Beginn des Workshops beschrieben die Workshopleiter Niels Beisinghoff und Matthias Altmann zunächst die Entstehung sowie den aktuellen Stand des Projektes, um alle Teilnehmer des Workshops auf den gleichen Informationsstand zu bringen. Danach folgten die ersten Diskussionen zum Inhalt des Projektes, wobei die Erwartungen, Fragen und Anregungen der Teilnehmer zunächst gesammelt und zusammengefasst wurden. Allein die Intensität der ersten Diskussionsrunde und des herrschenden enthusiastischen Arbeitsklimas waren ein deutliches Zeichen dafür, dass der dreitätige Workshop in der THA nur mit erfolgreichen Ergebnissen gekrönt werden konnte.

Das Projekt
Am Samstag stießen dann unsere Partner Dr. Harald Braun – der selbst viele Jahre in Malawi lebte – und Rainer Weiß vom Verein „Hilfe für Malawi“ zum Workshop. Dr. Braun und Herr Weiß werden die Projektumsetzung in Malawi koordinieren und gaben uns zunächst ein Update zur Gesundheitssituation im Projektland und zahlreiche Tipps zur Koordination des Projekts.

Zentrales Anliegen des Projektes ist die medizinische Schulung traditionell praktizierender Hebammen im gesamten Distrikt Nkhotakota in Malawi. Ein Großteil der Geburten findet in Malawi nicht im Krankenhaus, sondern – wenn überhaupt – unter Begleitung dieser sog. Traditional Birth Attendants (TBAs) statt. Diese Frauen haben keine medizinische Ausbildung, sondern lernen ihr Handwerk oft von ihren Müttern bzw. durch jahrelange Tätigkeit in der dörflichen Gemeinschaft, in der sie eine zentrale Rolle einnehmen. Nichtsdestotrotz ist die Säuglings- und Müttersterblichkeit bei Geburten ein großes Risiko in Malawi. Im Durchschnitt kommt es 200 Mal öfter zu Todesfällen bei einer Geburt als in Deutschland. Auch bei den traditionell betreuten Geburten ist diese Rate sehr hoch, da es den TBAs oft an der notwendigen Ausstattung sowie Kenntnissen in Fragen der Hygiene und dem Umgang mit Krankheiten wie HIV/Aids fehlt.

Das Projekt möchte deshalb verschiedene Faktoren wie Bildung, Gesundheitsaufklärung und Frauenrechte miteinander verbinden. Die TBAs sollen über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg in der Provinzhauptstadt geschult werden. Die Schulungen finden in den Räumen der einzigen Geburtsklinik in Nkhotakota – dem St. Anne's Hospital – statt. Hierbei wird den Hebammen nicht nur theoretisches Wissen über den Ablauf einer Geburt, HIV/AIDS, Familienplanung sowie anderen häufigen Krankheiten (Malaria, Durchfall) vermittelt, sondern sie haben auch die Chance bei zahlreichen Geburten im Krankenhaus dabei zu sein. Auf diese Art und Weise erhoffen wir nicht nur die Komplikationen und Todesfälle bei Geburten im ländlichen Raum zu verringern, sondern auch die Folgen und den Verlauf der am häufigsten auftretenden Krankheiten abzuschwächen.

Besonders die Frage, wie man die Nachhaltigkeit des Projektes sicherstellen kann, wurde detailliert diskutiert. Uns ist es wichtig, mit den investierten Geldern nicht nur eine kurzfristige Verbesserung der Lebenszustände hervorzurufen, sondern dafür zu sorgen, dass das Projekt auch nach dem Förderungsende in drei Jahren von alleine weiterläuft und das vermittelte Wissen nicht verloren geht.

Projektpartner in Malawi
Sicherlich ein Höhepunkt des Workshops war die Telefonkonferenz mit unserem Projektpartner vor Ort. Emmanuel Pemba, Verwalter des St. Anne’s Hospitals in Malawi, beantwortete weitere Fragen, gab Hintergrundinformationen und räumte letzte Zweifel und Unklarheiten aus. Der Austausch mit Herrn Pemba war besonders motivierend, da er uns aufgrund seiner guten Kenntnisse der Lage vor Ort und ersten Erfahrungen mit Schulungen der TBAs einen besseren Eindruck über Situation der Zielgruppe des Projekts, der Arbeitsweise der lokalen Projektpartner in Malawi sowie mögliche Problemfelder geben konnte. Seine Schilderungen über die dramatische Gesundheitssituation im Nkhotakota Distrikt und die großen Erwartungen der lokalen Bevölkerung hinsichtlich des Projektes haben die Motivation des Afrika-Teams noch gestärkt.

Fundraising und PR
Ein wichtiger Schwerpunkt des Workshopsprogramms war das Thema Fundraising, zu dem Dr. Braun referierte. Nachdem er die theoretischen Begriffe und die Strategie des Fundraisings vorgestellt hatte, präsentierte Dr. Surjo Soekadar dessen Umsetzung in die Praxis anhand des Beispiels seiner Spendenaktion für ein Gesundheitsaufklärungszentrum in Paraguay. Von der Erfolgsgeschichte dieses Projektes sollte sich das Afrika-Team inspirieren lassen, um seine Fundraisingsaktionen erfolgreich durchzuführen.

Die Teilnehmer teilten sich am Spätnachmittag in zwei Arbeitsgruppen auf, um sich nun genauer mit dem Fundraising- und PR-Konzept zu beschäftigten. Bei der PR-Gruppe ging es zunächst darum, eine effiziente Marketingstrategie zu erarbeiten, die u. a. den Entwurf eines Logos, die Erstellung von Flyern sowie die Konzeption von möglichen Werbeaktionen einschließt. Auf Vorschlag der PR-Gruppe wurde das Projekt anschließend auf den Namen „Lebenschancen Malawi“ getauft. Auf der Projekthomepage www.lebenschancen.org werden in Kürze die wichtigsten Informationen zum Projekt zu finden sein, sowie Tipps zum Durchführen von Spendenaktionen usw.. Genau so erfolgreich war die Fundraising-Gruppe, die eine erfolgsversprechende Strategie mit vielfältigen Spendenaktionen erarbeitete und der Gruppe vorstellte.

Die gelben Schweinchen
Eine besondere Unterstützung erhielt das Afrika-Team durch die Dr. Reinold Hagen Stiftung, die die Stipendiaten mit dem besten Instrument zur Spendenakquisition ausrüstete; sie hatte dem Projekt 1000 gelbe Sparschweine zum Spendensammlung zur Verfügung gestellt. Die neuen Malawi-Spenden-Schweinchen versetzen die Motivation aller Teilnehmer derartig in Schwung, dass letztlich niemand mehr am Erreichen des gemeinsamen Ziels – die erforderlichen EUR 50.000 an Eigenmitteln für das Projekt aufzubringen – zweifeln mochte,.

Workshop-Teilnehmerin Florence Tsague mit dem Vorsitzenden der Liberalen Senioren Reinhard Diel
Workshop-Teilnehmerin Florence Tsague mit dem Vorsitzenden der Liberalen Senioren Reinhard Diel
Schon am gleichen Abend wurden die Sparschweine an alle Teilnehmer verteilt, die sie bundesweit unter Kommilitonen, Professoren und in ihrem Freundes- und Familienkreis verteilen werden. Darüber hinaus wurde ein erster Spendenaufruf mit Hilfe der gelben Schweinchen vor den Liberalen Senioren in der THA gehalten, deren spontane Spenden und Begeisterung von den Teilnehmern sehr positiv empfangen wurden.

Fazit
Die Ergebnisse des Workshops haben die Erwartungen der Teilnehmer sicherlich übertroffen. Ihr Einsatz ging weit über die qualitativen Beiträge hinaus, die sie in den einzelnen Arbeitsgruppen geleistet hatten. Die Teilnehmer haben das Projekt nicht nur aktiv mitgestaltet, sondern sich mit ihm persönlich identifiziert. Besonders motivierend war der Mix zwischen deutschen und afrikanischen Teilnehmern, der Gelegenheit gab verschiedene Perspektiven zu diskutieren und Stoff für viele interessante Gespräche bot. Zu einer effizienten Koordinierung der Arbeit wurden zum Abschluss des Workshops Regionalgruppen gegründet (Ost, West, Nord und Süd), die sich nun regelmäßig treffen werden und dafür sorgen sollen, den Enthusiasmus und das Engagement aller Mitglieder des Afrika-Teams aufrecht zu erhalten.

Bitte um Mithilfe
Entscheidend ist nun, dass die entwickelten Ideen in die Ortsgruppen der Stipendiaten, in Familien- und Freundeskreise und an die Hochschulen getragen und dort umgesetzt werden. Ganz im Sinne des ersten Satzes dieses Artikels wird an dieser Stelle herzlich zur Mitarbeit eingeladen! So freuen sich die einzelnen Ortsgruppen sehr über Mitstreiter. Genauso gefragt sind Leute, die die zahlreichen Spendenschweinchen verteilen (Kontakt: altmann.matthias@tele2.de) und solche, die die Schweinchen füttern. Dies ist auch möglich durch eine direkte Spende auf das Konto des Partnervereins „Hilfe für Malawi“, Nr. 13003203 bei der Volksbank Gross-Gerau (BLZ: 50892500) (Bitte Adresse als Verwendungszweck angeben!). Jede noch so kleine Spende hilft, die Situation in einem der ärmsten Ländern der Welt ein klein Wenig zu verbessern. In Malawi können mit nur einem Euro neun Kinder gegen Malaria behandelt werden. Darüber hinaus stehen dem Projekt - Dank der Kofinanzierung durch das BMZ – für jeden gespendeten Euro vier Euro für die Arbeit in Malawi zur Verfügung.

„Lebenschancen Malawi“ bietet damit allen Interessierten eine Möglichkeit, auf einzigartige Weise etwas von dem materiellen und geistigen Wohlstand, in dem wir hier in Deutschland leben weiterzugeben.

Autoren:
Kocra Lossina Assoua, Promotion im Fach Politikwissenschaft an der Universität Siegen
Stipendiat seit April 2006; E-mail: kocra28@yahoo.fr und
Anne Kögler, Studentin der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Stipendiatin seit April 2004, inedita@gmx.net.

Ansprechpartner:
• Niels Beisinghoff, niels.beisinghoff@gmail.com
• Mathias Altmann, altmann.matthias@tele2.de
• Kocra Lossina Assoua, kocra28@yahoo.fr
• Anne-Marie Schumann, anne-marie.schumann@web.de

Regionalgruppen:
• West: Kocra Lossina Assoua, kocra28@yahoo.fr
• Ost: Juliane Bally, julianebally@web.de
• Nord: Ghislain Berenger Kouematchoua, kouematchoua@yahoo.fr
• Süd: Mohamadou Hassane, m.hassane@hotmail.de
letzte Änderung: 16.10.2008


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