Der Ostseeraum – Gestaltung eines Strukturwandels
Zwischenstaatliche Beziehungen und Handel im Ostseeraum haben eine lange Tradition. Aber wie können die Ostseeanrainer ihre Potenziale heute bündeln und abstimmen, um eine eigene integrierte Region zu schaffen, in der Dienstleistungen und Wissen staatenübergreifend angeboten werden? In einer mit der Europäischen Bewegung Schleswig-Holstein, der Botschaft Estlands und dem Generalkonsulat Polens/Hamburg in Kiel durchgeführten Abendveranstaltung wurden Potenziale, Zwischenergebnisse und „Leuchttürme“ der Ostseekooperation ausgelotet.
Ostseekooperation
Auch wenn gerade der Handel im Ostseeraum eine lange Tradition hat, so konnte die Ostseekooperation in vollem Umfang erst nach Ende des Kalten Krieges beginnen. Das hob Ernst Johansson, Rechtsanwalt und Präsident der Europäischen Bewegung Schleswig-Holstein in seinem Impulsreferat u. a. hervor. Heute sind von den acht Anrainerstaaten sieben Mitglieder in der EU, Russland ist ein wichtiger Nachbar und strategischer Partner der Europäischen Union. Es gehe letztlich um die Vollendung eines Binnenmarktes, dazu müssen vor allem noch existierende Barrieren abgeschafft werden.
Touristik – Forschung und Entwicklung
Die Infrastruktur, gerade die Verkehrsinfrastruktur solle länderübergreifend viel besser auf- und ausgebaut werden, so Dr. Mart Laanemäe, Botschafter Estlands in Berlin. Für den Tourismus seien im Ostseeraum nicht nur um Schiffe wichtig, sondern vor allem auch länderübergreifend gute Straßen und Schienennetze, damit Touristen nicht nur in ein Land führen, sondern durch mehrere. Den Bereich Wissen sowie Forschung und Entwicklung akzentuierte Kirstin Funke, MdL Schleswig-Holstein. Es gebe auf jeden Fall schon gute Bausteine, die man vielleicht auch Leuchttürme nennen könne, wie das Erasmus-Programm, das für einen regen Austausch unter Studierenden sorgt. Das Potenzial ließe aber mehr zu. Dr. Henryka Mościcka-Dendys, Vizedirektorin der Europaabteilung im Warschauer Außenministerium forderte über den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern hinaus, gemeinsame bzw. mehr gemeinsame, länderübergreifende Projekte, die wenn möglich auch in Clustern mit der Wirtschaft stehen sollten, so dass eine größere Vernetzung erreicht werden kann. Als gute existente Beispiele wurde „Clean Baltic Shipping“ genannt.
„Gute Ideen sind überall“, …
sagte Botschafter Laanemäe und führte aus, inwiefern nicht nur „von oben“ gedacht werden solle: Die Menschen in den Ostseestaaten müssen animiert werden, in Nachbarländern (mindestens kurzfristig) zu leben, damit die Vernetzung und Weiterentwicklung des Ostseeraums auch durch eine von vielen gelebte Überzeugung getragen werden kann. Wie notwendig dies ist, zeigte sich in der Diskussion durch die Feststellung, dass es in Sachen interkulturelles Verstehen auch noch einiges zu tun gibt unter den Ostseeanrainern. Eine weitere Herausforderung und Notwendigkeit besteht darin, auch schon existente, gemeinsame Projekte, die etwa mit der EU-Ostseestrategie verbunden sind und von denen es bereits zahlreiche kleinere gibt, besser öffentlich zu platzieren und auch besser zu kommunizieren.




