surF - Liberales im Netz Nr. 09 | 07. Januar 2009
Der Kampf gegen Alkohol auf unseren Straßen tobt unablässig, der gegen Rauch aus dritter Hand beginnt, Liberale bekennen sich zu politischen Jugendsünden („Ich war in den Jungen Union!“, „Ich war Pubertätslinker!“). Dies und mehr in der ersten surF-Ausgabe des Jahres.Ausgerechnet jetzt, da angesichts der drohenden Globalrezession die Bevölkerung Fünfe gerade sein lassen und das bevorstehende Ungemach getreu dem Motto „Wir versaufen unser Omma ihr klein Häuschen…“ verarbeiten möchte – ausgerechnet jetzt greifen mehr und mehr Gemeinden zum Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Nach Freiburg und Marburg macht nun auch Berlin-Mitte mit, berichtet Johannes Richardt. „Da simmer dabei, mir verbiehieten…“ hallt es durch die Ordnungsämter im Lande, wo man „dem Einzelnen nicht zutraut, selber zu wissen, was gut für ihn ist.“
Währenddessen ist man in den USA schon einen Schritt weiter: Nach dem Vorgehen gegen das Aktiv-Rauchen bekämpfte man das Passiv-Rauchen, jetzt ist der „Third-Hand-Smoke“ an der Reihe: „Mediziner warnen vor miefender Raucher-Kleidung“, berichtet Christoph Seidler, eine „Gefahr, die bisher völlig unterschätzt“ werde.
„Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist, keinen Verstand.“ – wer kennt ihn nicht, diesen schönen Spruch. Bei den Bissigen Liberalen ohne Gnade übt sich die liberale Blogosphäre im Bekennertum: „Wo war ich, bevor ich ein Liberaler wurde?“ lautet die Frage. Tatsächlich scheint nur wenigen der Liberalismus in die Wiege gelegt worden zu sein. Die zahlreichen Erklärungen sind durchweg sehr persönlich und vor allem interessant, wenn es darum geht, was jeweils der Auslöser war, der z.B. aus einem „Pubertätslinken“ einen „Radikallibertären“ gemacht hat.
Ach ja…war da nicht noch was? 20 Jahre nach 1989? Am 21. Januar beschäftigt sich der prominent besetzte (Gauck, Kunze u.a.) 2. Freiheitskongress der Stiftung in Berlin mit der Frage, wie es um den Wert der Freiheit in Deutschland steht, 20 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR. Ein wundervolles Tagebuch zu den 89er-Ereignissen liefert seit Jahresbeginn Vera Lengsfeld, es beginnt so: „‚Ein großes Gedächtnisjahr hebt seine Röcke und möchte begattet werden’ beginnt Walter Kempowski seine Chronik ‚Alkor’ des Jahres 1989, ohne zu wissen, dass er am Jahresende über viel mehr als 50 Jahre Kriegsende, 40 Jahre DDR und BRD, 200 Jahre Französische Revolution, sowie seinen 60. Geburtstag zu berichten haben würde…“




