surF - Liberales im Netz Nr. 01 | 29. Oktober 2008
Wohin man schaut, die Finanzkrise ist das Thema der Stunde. Im ZDF, bei Maybrit Illner, hieß es noch vor vier Wochen: "Weltwirtschaft am Abgrund" - nun ist die Weltwirtschaft noch immer nicht die Klippe heruntergefallen und so treffen nun am 30.10. Oskar Lafontaine und Friedrich Merz im Studio aufeinander. Ausgerechnet jetzt - in der Finanzkrise - bricht Friedrich Merz eine Lanze für das gescholtene System und fordert in seinem neuen Buch: "Mehr Kapitalismus wagen". So alleine, wie die Talkshow-Redaktion denkt, ist Merz damit gar nicht. "Weniger Staat mehr Markt lautet die unpopuläre Parole. Für die Selbstreinigung der Märkte von den staatlichen Verunreinigungen ist mehr Freiheit wagen unerlässlich", schreibt Michael von Prollius in einem IUF-Kommentar - nach seiner Meinung ist es "mangelndes Verständnis der Marktwirtschaft", das die Krise verschärft.
Auch Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimar kann der Krise durchaus etwas abgewinnen: "Jede Krise ist eine fruchtbare Zeit, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen", zitiert er Max Frisch und ertappt Nicholas Sarkozy und Gordon Brown dabei, wie sie sich als "Staatenlenker im Brennpunkt der Ereignisse" wähnen und wie die Krise "die Opposition im Schatten großer Entscheidungen verschwinden" lässt und "nationale Geschlossenheiten" mobilisiert.
Die Antwort übrigens auf die oft gestellte Frage, ob jetzt die Zeit des Neo-Keynesianismus gekommen ist, hat der Leiter des Liberalen Instituts, Detmar Doering, im Cicero gegeben - allerdings schon im August 2005. "War Keynes ein Keynesianer?", fragt Doering und seine Antworten gelten heute genau wie vor drei Jahren.
Nur an Berlin geht die große Krise völlig vorbei - kein Wunder: Die Hauptstadt hat sich schon lange aus den weltwirtschaftlichen Zusammenhängen befreit und hängt am Tropf. Deshalb hat man in Berlin auch Zeit und Muße, über ein Verbot von Silvesterknallern oder Heizpilzen nachzudenken. Harald Martenstein dürfte wenig Gehör finden mit seinem Hinweis, dass man Verbote nicht essen kann.





