surF - Liberales im Netz Nr. 149 | 21. Dezember 2011
Gegensätzlicher hätten die Trauerfälle der Woche wohl nicht sein können: Kim Jong Il und Václav Havel sind gestorben. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die Nachrufe aus – sogar ein Kondolenztelegramm ist dabei (allerdings ein erfundenes).Wer häufiger die Tschechische Republik bereist und ihre Bewohner kennenlernt, wird immer feststellen: Nichts erzählen Tschechen mittleren oder hohen Alters lieber als dass sie mit dem liebevoll Vašek genannten Václav Havel eine Gefängniszelle geteilt haben. Ein bisschen Vašek will wohl fast jeder sein in diesem Land und wer will es den Tschechen verdenken. Das Leben des tschechischen Schriftstellers und Politikers bleibt ein Lehrstück, findet Alena Wagnerová in der Neuen Züricher Zeitung und trifft den Kern, wenn sie ihren Beitrag Bürger Havel überschreibt.
Euckenserbe erinnert seiner Rede, die er anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels nicht halten durfte, weil das kommunistische Regime ihn nicht ausreisen ließ. Stattdessen trug Maximilian Schell sie unter dem an seiner Stelle vor.
So sehr Havel Bürger war, so sehr war Kim Jong Il Diktator. Gerade weil aus dem Norden Koreas so wenig nach außen dringt, erinnert Zettel daran, dass sich dieses Regime nicht nur durch Misswirtschaft und Militärparaden auszeichnet, sondern auch wesentlich auf der Ausbeutung von Häftlingen beruht, die sich zu Tode arbeiten und ständig durch frische ersetzt werden.
Dies eingedenk wird die Verlesung der Todesnachricht im Staatsfernsehen zu einem makabren Schauspiel, nicht zuletzt, da die Aufzählung der Ämter des Kim Jong Il an jene des Genossen Honecker erinnert.
Bislang gibt es – anders als beim 85. Geburtstag Fidel Castros – noch kein Kondolenz-Telegramm von Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, Vorsitzende der Partei “Die Linke”. Ein möglicher Entwurf dafür existiert aber bereits…





