surF - Liberales im Netz Nr. 115 | 20. April 2011
50 Millionen Umweltflüchtlinge sind plötzlich verschwunden. Das versetzt die UNO in helle Aufregung. Irgendjemand schein beim Stellen der Prognose vergessen zu haben, den Vorgang auf Wiedervorlage für den "reality check" zu setzen.Nur so konnte es passieren, dass die UNO-Prognose "50 Millionen Umweltflüchtlinge bis 2010" nun von der Presse aufgegriffen und für falsch erklärt wurde. Ganz im Gegenteil: In den betroffenen Gebieten wächst die Bevölkerungszahl sogar, Inseln, denen das Absaufen im Ozean prognostiziert wurden, wachsen sogar noch. Ein Grund zur Freude! Jetzt distanziert sich die Uno gegenüber SPIEGEL ONLINE von der Prognose: "Dies ist keine Unep-Vorhersage", hieß es auf Anfrage. Die entsprechende Mitteilung auf der Unep-Internetseite wurde gelöscht.
Kein Wunder, dass derlei Fehlgriffe von "klimaskeptischen" Blogs mit Häme aufgegriffen werden. Schließlich sind übertriebene Horrorprognosen ebenso alltäglich wie eine Jahre danach die Entwarnung. Die Beispiele dafür reichen von den Club-of-Rome-Prognosen bis zum Waldsterben. In der Klimafrage hat sich durch Climategate gezeigt, wie sehr die Erderwärmung als Voraussetzung gebraucht wird, um bestimmte politische Ziele durchzusetzen – oder einfach an öffentliche Mittel zu kommen, mit denen weitergeforscht werden kann.
Eine offene Diskussion ist daher nicht erwünscht – wer als politisches Ziel eine große Transformation ausgegeben hat, reagiert sehr empfindlich, wenn sich das Problem zu relativieren droht, das zur Begründung für die Neuordnung der Welt dient. Da werden von den Grünen gerne mal Töne angeschlagen, die an die Inquisition erinnern und die Kollegen von der Böll-Stiftung schaffen es, "klimaskeptische Kommentare" nach eigenem Bekunden von ihrem Blog "Klima der Gerechtigkeit" zu löschen. "We don't need this discussion", so das Statement auf der re:publica, begleitet vom Bedauern über die geringe Reichweite des Blogs. "Skeptische Nachfrage – eine Grundtugend in jeder Wissenschaft - ist in der Klimawissenschaft
nicht richtig hoffähig", sagte Hans von Storch beim letzten Freiheitskongress.
Der nun angepeilte Atomausstieg mag Aufwind für die Grünen bedeuten. Die aufkommende Kostendiskussion wird aber auch Themen in die Diskussion zurückbringen, die von den Grünen schon längst als abgehakt galten: Zum Beispiel, ob es nicht wesentlich effizienter ist, die Folgen eines Klimawandels zu bewältigen (was möglich wäre), als das Klima zu steuern (was aus vielerlei Gründen kaum gelingen dürfte).
Diese Diskussionen wird man aber nicht führen können, wenn man, wie auf der re:publica, unter sich bleibt.





