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surF - Liberales im Netz Nr. 105 | 09. Februar 2011

Die Entwicklungen in den Maghreb-Staaten gestalten sich ausgesprochen spannend – auch deshalb, weil die Region lange nur im Hinblick auf ihr Verhältnis zu Israel wahrgenommen wurde. In Deutschland bietet sich nun die Gelegenheit, mit dem Finger auf andere zu zeigen.

So fordert Jürgen Trittin die Bundesregierung auf, Ägyptens Präsident Mubarak sofort zum Rücktritt aufzufordern. Oder zum sofortigen Rücktritt. Oder sofort zum sofortigen Rücktritt. "Der Mann ist fertig und so trauen sich auch die Grünen, kräftig auszuteilen", schreibt dazu Christian Hannover. "Ganz schön mutig diese Grünen", fährt er fort, "aber nur bis sie wieder nach Teheran zitiert werden, dann wird artig stillgestanden und die Weiblichkeit kultursensibel eingehüllt" – eine Anspielung auf die Iran-Reise von Claudia Roth.

Kommentatoren verweisen auf Ronald Reagan und...
Kommentatoren verweisen auf Ronald Reagan und...
Wie es der Zufall will, hätte in diesen Tagen Ronald Reagan seinen 100. Geburtstag gefeiert. "Der Cowboy unter den US-Präsidenten würde sich für die Demokratie in Ägypten starkmachen", glaubt Hannes Stein und würdigt den konservativen Ausnahmepolitiker in der WELT. Wahrscheinlich würde Ronald Reagan heute sagen : "Ein Flugzeug her! Ein Flugzeug für Mubarak, das ihn nebst Gattin in ein komfortables Exil fliegt", meint Stein: "Ronald Reagan glaubte an die Freiheit, ohne Wenn und Aber. Linksliberale Friedensfreunde fanden diese Weltsicht schlicht, eben typisch Hollywood - aber hat sie sich nicht letztlich als realistisch erwiesen?"

...George W. Bush.
...George W. Bush.
Am 18. Mai 2008 hielt George W. Bush auf dem Weltwirtschafts-Forum im ägyptischen Scharm El-Scheich eine Rede über die Zukunft des Nahen Ostens, auf die Zettel hinweist. Bush entfaltete darin eine Vision einer arabischen Bürgergesellschaft, deren Keimzelle Unternehmertum: "Ihre Volkswirtschaften werden dynamischer werden, wenn die Eigentumsrechte geschützt sind und wenn durch die Gesetze die Risikobereitschaft gefördert wird - nicht bestraft. […] Und Ihre Volkswirtschaften werden auf lange Sicht mehr prosperieren, wenn die Steuern niedrig sind und alle Ihre Bürger wissen, dass sich Innovationen und ihre harte Arbeit lohnen."

Für Frank Furedi ist es unwahrscheinlich, dass aus Ägypten ein zweites Iran wird. "Es ist in der Tat viel wahrscheinlicher, dass aus dem Iran ein zweites Ägypten wird", schreibt Furedi bei Novo Argumente. Auch wenn die Protestbewegung im Iran im Anschluss an die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 "nicht die gleiche Kraft wie ihre jüngsten Geschwister in Tunesien und Ägypten besaß, hat sie gezeigt, dass bedeutende Teile der iranischen Gesellschaft Reformen wünschen." Das ägyptische Volk habe offenkundig wenig Lust, in einem Gottesstaat zu leben.

Schließlich noch interessant, was der Co-Autor der Freiheit vom Dezember 2010, Hamed Abdel-Samad bei Anne Will zu sagen und im anschließenden Chat an Antworten zu geben hatte.
letzte Änderung: 07.02.2011


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