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surF - Liberales im Netz Nr. 97 | 24. November 2010

Immer deutlicher wird: Deutschland wird unübersichtlicher. West und Ost, Nord und Süd, Einheimische und Migranten - sogar Gremlins. Und bisweilen kommen dabei aufregende und erfrischende Konstellationen zusammen.

Nach monatelanger teils ermüdender Diskussion scheinen mehrere vielversprechende Projekte integrativer Paarbildung auf dem Weg zu sein. Da ist zunächst Matthias Matussek, frisch gekürter Autor der Freiheit im Oktober, der sich gemeinsam mit seinem Freund, Hasan der Kopftuchtürke, auf den Weg zu Udo Lindenberg macht – um Deutsch zu lernen. Viel dürfte dabei nicht herumgekommen sein, eher eine Lektion in Lindenbergscher Selbstdarstellung. Aber irgendwas muss an Udo Lindenberg schon dran sein, wenn Leute wie Matussek oder auch Benjamin Stuckrad-Barre (in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Auch Deutsche unter den Opfern") Lindenberg so loben.



Für weit mehr Aufsehen sorgen da Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad mit Entweder Broder – trotz der Sendezeit sonntags gegen Mitternacht. Fünf 30-minütige witzig-geistreiche, intelligente und politisch völlig inkorrekte Road Movies mit Deutschlands berühmtestem jüdischen Journalisten und dem renommierten ägyptischen Autor. Zwei Folgen folgen noch.



"Als unsere Reisepläne bekannt wurden", sagte Abdel-Samad, "warnten mich etliche moslemische Freunde und deutsche linke Intellektuelle, die es gut mit mir meinten: 'Bist Du verrückt geworden? Hast Du niemanden außer Broder für so etwas gefunden?' Diese Warnungen bewirkten das Gegenteil, denn die Erfahrung hat mich gelehrt, wenn Muslime und deutsche Linke sich gemeinsam über etwas ärgern, dann kann die Sache nicht ganz schlecht sein." So sieht's aus.

Unterdessen kommt ein interessanter Zwischenruf zur deutsch-deutschen Seelenlage aus der Schweiz. Der Blick von außen ist ja immer interessant – diesmal macht Eric Gujer in der Neuen Züricher Zeitung nach schon jahrelang dauernder Ostalgie-Debatte etwas ganz anderes aus: grassierende Westalgie. In Die Westalgie ist ein hartnäckiges Gefühl heißt es, das "neue Deutschland" sei unübersichtlicher denn je – das mache vor allem den Westdeutschen zu schaffen. Vielleicht ist es ja gerade deshalb allseits in Mode, mit einer Partei zu sympathisieren, die westlicher nicht sein könnte. Oder liegt es doch eher am putzigen Führungspersonal?

letzte Änderung: 23.11.2010


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