surF - Liberales im Netz Nr. 91 | 13. Oktober 2010
Es ist Herbst, die Politik hat die Trägheit des Urlaubs abgestreift. Und widmet sich wieder ihrem liebsten Handwerk: Verbieten. Oder der Vorstufe dazu: Bis an die Verbotsgrenze heran durchregulieren. So macht's die EU mit ihrem Frontal-Angriff auf Raucher, der in dieser Woche bekannt wurde. Bei Verstößen werden Geldstrafen gefordert, eine Raucher-Polizei soll alles überwachen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollen alle Aschenbecher aus ihrem Gebäude entfernen und überdies werden die EU-Staaten aufgefordert, bei Verstößen gegen die Rauchverbote „eine Aufsehen erregende Strafverfolgung zu betreiben, um die abschreckende Wirkung zu verstärken“. Vor allem prominenten Rauchern soll der Prozess gemacht werden – als Abschreckung! Hotlines sollen eingerichtet werden, um Verstöße zu melden, Inspektoren sollen Räume nach Beweismitteln durchsuchen dürfen.
Anders ausgedrückt: Schauprozesse, Denunziantenhotline, Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss.
Die Kreativität beim Erfinden von Verboten ist inzwischen so auffällig geworden, dass es eine eigene Website dazu gibt: Alles verboten! Hier werden tolle Verbotsideen gesammelt, vom Verbot von Motorrollern über Grillverbote bis hin zu Werbeverboten für Süßigkeiten. Auffällig dabei: Die Grünen, die sich neuerdings so gerne "liberal" nennen, sind am meisten vertreten. Das muss eine ganz neue Spielart des Liberalismus sein.

Häufigkeit von "verbieten" auf Parteiwebsites Anlass genug, die surF-Recherche wieder aufzunehmen, mit der die Häufigkeit von bestimmten Worten oder Wortkombinationen auf Parteiseiten abgefragt wird. "Unverantwortlich", "Sicherheit" und "Empörung" hatten wir schon – diesmal geht's um "Verbote/verbieten". Wer hat's erfunden? Natürlich die Grünen (siehe Grafik).
Man sollte sich nicht in Sicherheit wiegen: Zu vielen Verboten kommt es erst nicht…
…manche verpuffen, aber die, die man am Hals hat, wird man nicht mehr los.





