surF - Liberales im Netz Nr. 49 | 04. November 2009
Die ersten Tage des November vor 20 Jahren waren die Tage der Implosion des SED-Regimes. Höhepunkte: Die Großdemonstration am 4. November 1989 am Berliner Alexanderplatz und der Mauerfall am 9. November. Immer im Mittelpunkt: Günter Schabowski.
Großdemonstration am 4. November 1989 in Berlin Schabowski war es, der von der Politbüro-Riege zur Demonstration an den Alexanderplatz vorgeschickt wurde und sich dafür auspfeifen lassen durfte, Schabowski war es, der in seiner legendären Pressekonferenz wenige Tage danach für die Flutung der Mauer sorgte. "Später beschreibt Schabowski dieses Erlebnis", die Großdemonstration, "als den Wendepunkt in seinem Leben, da ihm klar wurde, dass die SED ihre Macht verspielt hat", so Vera Lengsfeld in ihrem auf der Achse des Guten veröffentlichen Doppeltagebuch.
Auch heute spielt der inzwischen 80-Jährige eine herausgehobene Rolle: Suchen Sie ein Mitglied der damaligen Führungsriege, das kritisch mit der eigenen Vergangenheit umgeht? Sie werden an Schabowski nicht vorbeikommen – er ist der Einzige.
Schabowski hat schon wenige Jahre nach der Wende selbstkritisch in seinem Buch "Der Absturz" den Niedergang der Ein-Parteien-Diktatur DDR beschrieben. Gespräche mit dem ZEIT-Redakteur Frank Sieren sind in das in diesem Jahr erschienene Buch "Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR" eingeflossen, dessen Titel Programm ist.
Ganz anders macht dagegen Margot Honecker auf sich aufmerksam. 20 Jahre nach dem Mauerfall preist die Witwe von Erich Honecker weiter die DDR, in der sie ein hochprivilegiertetes Leben führte. In einem Internet-Video sagte die 82-jährige Margot Honecker, 50 Prozent der Ostdeutschen lebten heute im Kapitalismus schlechter (sie ganz bestimmt) und erinnerten sich an die „schöne Zeit in unserer DDR“…
Auch Egon Krenz, seinerzeit als Honecker-Nachfolger an der Staats- und Parteispitze, sorgte dieser Tage für Schlagzeilen, der vor gut 300 ehemaligen Angehörigen der DDR-Grenztruppen und früheren Offizieren der Nationalen Volksarmee, eingeführt durch zünftige Marschmusik die Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze und die Bespitzelung des Volkes durch die Staatssicherheit als legitimes Mittel eines souveränen Staates verteidigte.
Den Kontrast, den die Honecker-Witwe sowie Krenz auf der einen und Schabowski auf der anderen Seite abgeben, nimmt Malte Lehming im Tagesspiegel auf, wenn er die von Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck gestartete Versöhnungsdebatte kommentiert und mit einer Frage den Unterschied zwischen "Versöhnung" und "Schwamm drüber" verdeutlicht: "Wer von denen, die Platzeck heute so dringend rehabilitiert und integriert sehen möchte, hat sich von der Irrlehre des Sozialismus verabschiedet, von den alten utopischen Träumen, die sich naturnotwendig in Albträume verwandelten, von jener Ideologie, die bei Marx, Engels und Lenin begann und selbst im Gulag nicht ihr Ende fand?"
Passende Veranstaltungen der Stiftung für die Freiheit:
20 Jahre Mauerfall (Virtuelle Akademie, online)
20 Jahre Mauerfall - Freiheitsrevolutionen in Deutschland (Starzach, Baden-Württemberg)
20 Jahre Mauerfall (Kulmbach, Bayern)
1. Potsdamer MauerVerlauf
Passend zum Thema:
3. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor von Joachim Gauck vom 21. April 2009





