surF - Liberales im Netz Nr. 20 | 25. März 2009
Wenn „das Gespenst des Kommunismus im befleckten Bettlaken durch die Kulissen huscht“, dann wird Karl Marx’ „Kapital“ als Singspiel auf die Bühne gebracht. surF präsentiert diesmal so allerlei aus der Mottenkiste, das in Krisenzeiten wieder an die Oberfläche gespült wird…
Die Welt ist auf anstrengende Weise kompliziert: Finanzkrise, Klimawandel, Informationsflut... Es muss doch einer verantwortlich sein! Verschwörungstheorien geben Antworten und machen das Leben leichter. In dem Beitrag „Schöner leben mit Verschwörungstheorien“ kommt unter anderem einer der wenigen liberal gesinnten Soziologen der Republik zu Wort, Prof. Ronald Hitzler: „Die Verschwörungstheorie sorgt dafür, dass wir uns besser fühlen“, meint er, nicht gerade im Sinne der liberalen Aufklärung, aber „anthropologisch klug“.
Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls beteiligt sich die Stiftung rege an der Debatte zum status quo der Wiedervereinigung, etwa mit dem Freiheitskongress oder der 3. Berliner Rede zur Freiheit. Zu diesem Thema hat nun in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Maxim Biller einen Beitrag in die Debatte geworfen, der zum schärfsten gehören dürfte, was in diesem Kontext bislang publiziert wurde. „Mitläufertum und Vergesslichkeit stecken an“, schreibt Biller, „gerade in Deutschland, gerade im neuen Deutschland. Damit meine ich nicht nur, dass es nie eine ostdeutsche Vergangenheitsbewältigungsdebatte gab, in ihrer Radikalität vergleichbar mit der Aufräumaktion, die die West-68er unter ihren Nazieltern veranstalteten – aber auch.“ Billers Gemütszustand zwanzig Jahre nach dem Mauerfall drückt schon die Überschrift aus: „Deutsche deprimierende Republik“.
Eine plausible Antwort auf die Frage, warum in dieser von der Wirtschaftskrise geprägten Zeit sowohl der Absatz von Karl Marx’ „Kapital“ steigt, zugleich aber auch die FDP deutlich Zulauf verzeichnet gibt es noch nicht – das „Comeback des Marxismus – als Singspiel“ jedenfalls ist ein Projekt, das leicht ins Lächerliche abgleiten könnte. Bernd Matthies übernimmt das schon vorab im Tagesspiegel.





