surF - Liberales im Netz Nr. 16 | 25. Februar 2009
Eine Welt ohne Gentechnik, Atomkraftwerke, voll erneuerbarer Energien und ohne Kinderpornographie- und das alles schon übermorgen. Realität oder eher Stoff aus einem Kinderbuch? Netzfundstücke zu Illusionen und Realitäten…„Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – das sagte einst Pippi Langstrumpf. Dieses so genannte Pippilotta-Prinzip ist ein Ausdruck von Freiheit und durchaus liberal, in den Sphären der Politik aber nicht so leicht durchzusetzen. Da gibt es Widerstände, Sachzwänge und ähnlich grässliche Dinge. Deshalb wird das Pippilotta-Prinzip häufig abgeändert in „Ich zeig’ euch eine Welt, wie sie euch gefällt“. Maxeiner & Miersch haben dies in der WELT am Beispiel der Gentechnik durchdekliniert und mit Kritik an Ilse Aigner verbunden: „Anstatt die Falschbehauptungen der Anti-Gentechnik-Aktivisten entschlossen zu widerlegen, stellt sich die Landwirtschaftministerin an die Spitze der Bewegung und verzaubert Deutschland - Simsalabim - zur gentechnikfreien Zone.“ Dabei ist die Gentechnik schon überall – in uns, um uns und um uns herum. Während der politische Mainstream so tut, als wäre das Gegenteil der Fall…
Ähnlich wie mit der Gentechnik verhält es sich mit der Kernkraft: „Ganz Europa setzt wieder auf Kernkraft. Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Germanen bevölkertes Land hört nicht auf, dem Atomstrom Widerstand zu leisten“, schreibt Stefanie Augter in der Wirtschaftswoche und bezieht sich auf Asterix. In ihrer Analyse klingt durch, wie seltsam sich ein unbeugsames Dörfchen verhält, das die Atomkraft abschafft, während in direkter Nachbarschaft, in den Römerlagern Laudanum, Babaorum, Aquarium und Kleinbonum die schnellen Brüter wachsen.
Und so werden Sie weiter verkauft, die schönen Illusionen. Ökostrom aus erneuerbaren Energien soll bis 2020 die Hälfte des deutschen Strombedarfs decken – so die Prognose des Branchenverbandes. „Doch die dieser Vorhersage zugrunde liegenden Annahmen sind sehr optimistisch – und sie unterschätzen die Kosten bei weitem“, schreibt Daniel Wetzel.
Und manchmal räumt sogar der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages mit Illusionen auf, zum Beispiel mit der von Familienministerin von der Leyen, man könne Kinderpornografie mal so eben aus dem Internet herausfiltern. Der Dienst kommt zu dem Schluss, die Seitensperrung sei technisch kaum umsetzbar und gefährde schwerwiegend die im Grundgesetz garantierte Kommunikationsfreiheit. Mehr noch: „Um Sperrungen effektiv handhaben zu können, müsste das Internet ganzheitlich umstrukturiert werden und insbesondere seine ursprüngliche Intention, nämliche die dezentrale Vernetzung von Computern, aufgegeben werden.“ Pippi Langstrumpf hatte sich das alles einfacher vorgestellt…





