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surF - Liberales im Netz Nr. 99 | 08. Dezember 2010

Man kann sagen, was man will: Langweilig ist's nicht in diesem Spätherbst: Wikileaks und Diplomatendepeschen, Deutsche Bahn und die Jahreszeiten, Terrordrohungen. So allerhandlei bietet unsere Umgebung zum Aufregen, Kopfschütteln und natürlich auch zum Analysieren.

Im Schnelldurchlauf tut dies in gewohnt unterhaltsamer Form Tobias Kaufmann vom Kölner Stadtanzeiger in seinem Video-Blog. Die meisten Diskussionen kreisen aber um Wikileaks. Julian Assange, Mister Wikileaks, soll nun wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden bis auf Weiteres in Polizeigewahrsam bleiben – der 39-jährige Netzaktivist kündigte dem Richter an, sich gegen eine Auslieferung zu wehren. Während Assange eher mit persönlichen Problemen zu tun hat, diskutiert die Netzgemeinde Schaden und Nutzen seiner Plattform. Und da gehen die Meinungen weit auseinander:

"Wikileaks ist die logische Folge der Unkontrollierbarkeit des Netzes", heißt es beim antibuerokratieteam , keine für die Öffentlichkeit relevante Information werde zukünftig auf längere Zeit im Nicht-Öffentlichen gehalten werden können. "Negative Auswirkungen dieser Entwicklung erleben wir gerade. Die westliche Staatengemeinschaft wird sich darauf einstellen müssen. Aber lasst es uns positiv sehen: die Nachricht geht auch nach China, Nordkorea, Iran.
Zensur wird nicht mehr machbar sein."

B.L.O.G. geht davon aus, dass Enthüllungen wie die der letzten Zeit künftig nicht auf der Tagesordnung stehen werden: "Gäbe es für Nachrichten der Art, wie sie veröffentlicht wurden, eine Offenlegungspflicht, wären die Inhalte andere. Die jetzt bekannt gewordenen Informationen wären dann, soweit von größerem Interesse oder einiger Brisanz, auf anderem Weg oder überhaupt nicht übermittelt worden."

Für Zettel ist der Blick, den die gestohlenen Dokumente erlauben, "schlicht derjenige in Berichte, wie sie alle Botschaften aller Länder erstellen. Keine Abgründe. Menschliches, Allzumenschliches nur so, wie das in derartigen Berichten nun einmal üblich ist." Der Schaden bestehe in dem Umstand, "dass die USA durch die Veröffentlichung dessen, was sie geheim halten wollten, gedemütigt werden. Sie werden damit geschwächt; und das ist aus meiner Sicht der Zweck dieser Aktion."

Die Achse des Guten schließlich zitiert aus einem Beitrag der Haaretz. "Die geheimen Berichte, die WikiLeaks veröffentlicht hat, beweisen", so heißt es dort, "dass nicht die Siedlungen, nicht die Besatzung und nicht der israelisch-palästinensische Konflikt die Kernprobleme des Nahen Ostens sind." Sie legten vielmehr die Tatsache offen, dass die gesamte arabische Welt heute nur mit einem einzigen Problem beschäftigt sei: Iran, Iran, Iran.


Lesen Sie auch: Ex-Wikileaks-Sprecher kündigt alternative Enthüllungsplattform an
letzte Änderung: 07.12.2010


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