Navigation

Zur Startseite

Inhalt

surF - Liberales im Netz Nr. 88 | 22. September 2010

Es ist fast rührend, wie angesichts von "Stuttgart 21" und der Anti-Atom-Demo von Berlin Beobachter beobachtet haben wollen, dass sich nicht nur Veteranen der Friedensbewegung am Protest beteiligen, sondern auch Menschen "wie du und ich ". Das war in den letzten Tagen so oft zu hören, man könnte meinen, die Linke freue sich angesichts der Sarrazin-Debatte über jeden, der ihre Reihen füllt.

Einer Demokratie kann es nicht schaden, wenn ihre Bürger um ihren politischen Standpunkt ringen und sich bekennen. Wo man sich jeweils verortet, hat viel mit Biographie zu tun. "Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz. Wer mit 40 immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand", soll Theodor Fontane einmal gesagt haben. Diesen Ausspruch belegen verschiedene Biographien und in den letzten Jahren einige Texte in einer Weise, die zeigt, dass der Verstand das Herz nicht ersetzt, sondern ergänzt hat.

Zu den prominentesten gehört sicher der Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer mit seinem Buch "Unter Linken". Er beschrieb "die Linke, mit der ich mein Leben lang zu tun hatte", die Linke von Stuttgart und Berlin, als ein Milieu, das man als Links-Bürgertum bezeichnen könne, dem so gar nichts Revolutionäres anhaftet: "Man schwärmt für Obama, fürchtet sich vor dem Klimawandel und dem Überwachungsstaat, achtet auf biologisch einwandfreie Ernährung und liest die Meinungsspalte der 'Süddeutschen', das Feuilleton der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' und, mit einer gewissen zur Schau gestellten Verachtung, den Politikteil des Spiegel."

Fleischhauers politisches Bekenntnis füllt ein ganzes Buch und zeigt – frei von langatmigen Ausführungen – einen lange andauernden inneren Kampf um politische Positionen und die Bedeutung eines wichtigen Faktors dabei: Zu den Guten gehören zu wollen.

(„Unter Linken – Der Film“, 26. September 2020, 23:25 Uhr, RTL)

Ähnliches ist von Michael Miersch zu lesen, der davon berichtet, wie der ältere Bruder seines besten Schulfreundes ihn in zirka dreißig Minuten von der Notwendigkeit des Sozialismus überzeugte. "Ich brauchte dann dreißig Jahre, um diese Überzeugung wieder los zu werden". Was ihm dabei half: "Der linke Mainstream nahm eine konservative Bewahrungshaltung ein. 'Progressiv' wurde zum schmutzigen Wort. Hatte man früher nach Veränderung gelechzt, warnte man jetzt mit sorgenvollem Stirnrunzeln vor zuviel Veränderung und wies auf die Risiken hin."

Hannes Stein bekennt, einst Teil der Friedensbewegung gewesen zu sein. "Diese Bewegung war stramm antiwestlich, hysterisch, apokalyptisch, sie spielte ein bisschen auf der nationalistischen Flöte (Deutschland als “das auserwählte Land der Bombe” usw.), sie war natürlich von kommunistischen Kadern unterwandert, und anders als die linken Studenten der Siebzigerjahre gelang es ihr tatsächlich, die Massen zu mobilisieren." Sein Urteil heute darüber: "Oh Schande! Einzige Entschuldigung: Ich war ein Teenager." Sein Trost für alle, die angesichts linker Bewegungen Sorgen machen: " Sie unterschätzten die demoralisierende Kraft des Werbefernsehens, der Drogen und des Rock`n´Roll."

Allesamt fundierte und daher glaubwürdige Bekenntnisse zu einer liberalen oder liberal-konservativen Grundhaltung. Anders als das wohl berühmteste, das Loriot einst in die Welt gesetzt hat: "Im liberalen Sinne heißt liberal nicht nur liberal."



Nachtrag: Ähnliches von Henryk M. Broder
letzte Änderung: 22.09.2010


Berlin: Begabtenförderung auf 7. StudyWorld

Organisierter Liberalismus – live!

Stipendien der Begabtenförderung: Bis Ende Mai bewerben

Video: Internationale Politik
Blog des Liberalen Instituts

25.05.2012: Zwei Grad Ziel: Ineffizienz kaum zu bezweifeln mehr...

25.05.2012: Europäische Ordnungspolitik mehr...

24.05.2012: Kolumbien: Wenig Konsens auf dem VI. Amerika-Gipfel in Cartagena mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit