surF - Liberales im Netz Nr. 87 | 15. September 2010
Drei etwas längere – aber keinesfalls langatmige – Beiträge werden heute in surF vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die deutsche Diskussionskultur nach Sarrazin sowie ein neues Konzept für die Finanzierung der deutschen Theaterlandschaft."Mehr Theater mit weniger Geld – das geht!" – so lautet die Überschrift eines Beitrags von Frank Alva Buecheler , der in der neuen Ausgabe von Novo Argumente erschienen ist. Der Autor schlägt einen konkreten Weg vor, wie das subventionierte deutsche Theater aus der Sparmaßnahmensackgasse finden kann. Er beschreibt die Situation des deutschen Theaters als desaströs, "weil die Fantasie, sich alles einmal anders vorzustellen, neue Ansätze zu entwickeln oder erprobte Rezepte in neuen Kombinationen anzuwenden, offensichtlich ebenso fehlt wie der Mut zum Handeln und die Lust am Verändern."
Und nun…doch wieder Sarrazin.
Volker Zastrow erkennt in der Sarrazin-Debatte etwas wohlbekanntes: "Schon vor Jahrzehnten, am Bundestagspräsidenten Jenninger, wurde demonstriert, dass nicht zählt, was einer gemeint hat, sondern ob man es ihm erfolgreich verdrehen kann, gern bis ins Gegenteil über allen Anstand hinaus", schreibt Zastrow in der Frankfurter Allgemeinen. Warum solle es „unerträglich“ sein, dass einer wie Sarrazin die Welt so beschreibt? "Weil sie nicht so ist? Oder weil man er nicht aushält, dass sie so ist? Oder weil sie nicht so sein darf?"
Zettel sieht in der Sarrazin-Debatte noch weit mehr – er stellt die These auf, die "dritte Phase in der Geschichte der Bundesrepublik" gehe in diesen Tagen zu Ende. Die erste Phase - das seien die "Aufbaujahre" gewesen, die Zeit des "Wirtschaftswunders". Die zweite Phase – Vorboten: die Schwabinger Krawalle und die "Spiegel"-Affäre –, lasse sich am besten durch zwei Slogans aus dem Wahlkampf des Jahres 1969 kennzeichnen: "Wir schaffen das moderne Deutschland" (SPD) und "Wir schaffen die alten Zöpfe ab" (FDP). In der dritten Epoche, nach der Wiedervereinigung, habe sich gesellschaftliche Stagnation mit einer abflachenden wirtschaftlichen Dynamik vereint.
In dieser "Affäre Sarrazin" habe sich etwas vollzogen, "was durchaus Ähnlichkeit mit den Studentenprotesten hatte, unter denen die Adenauerzeit zu Ende ging", so Zettel. Heute gehe man zum Protestieren nicht mehr unbedingt auf die Straße, heute breche sich die Unzufriedenheit in der Bevölkerung auf eine andere Art Bahn: Durch Anrufe bei Sendern, durch Eintragungen in Gästebücher, durch Mails und SMS; durch Diskussionsbeiträge in den Blogs und Foren.





