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surF - Liberales im Netz Nr. 86 | 08. September 2010

Überdrüssig der Sarrazin-Diskussionen? Ein garantiert migrationsproblemfreies surF stellt heute ausschließlich Beiträge vor, die sich mit anderen Fragen befassen – die nicht minder interessant sind.

So beschreibt das regelmäßig weit über dem Niveau seines Titels agierende Blog Politplatschquatsch auf dramatische Weise, für wie ungesund die Menschen in Sachsen-Anhalt die von der Landesregierung ausgegebenen Parole "Wir stehen früher auf" halten. Es wird mit umfangreichem statistischen Material nachgewiesen, dass man es im "westlichsten der östlichen Bundesländer" vorzieht, früher auszusterben, statt früher aufzustehen.

Zettel analysiert ausführlich die These von Theodore Dalrymple, nach der zukünftige Gesellschaftshistoriker, wenn sie sich daran machen werden, unsere Epoche zu charakterisieren, diese "nicht das Zeitalter der Atombombe nennen, oder der Devirate an der Börse, und nicht einmal das Zeitalter der 100-Prozent-Hypotheken. Sie werden sie das Zeitalter des Ressentiments nennen. Denn jeder ist auf dem qui vive nach den vermutlichen Ursachen für seinen Opferstatus."

Thomas Deichmann, Chefredakteur von NovoArgumente, erinnert daran, dass vor 30 Jahren die erste Aktion von Greenpeace in Deutschland stattfand: Die „Regenbogenkrieger“ demonstrierten gegen die Dünnsäureverklappung in der Nordsee. Vor allem in der Anfangszeit habe Greenpeace das Augenmerk auf Missstände gelenkt und auch Verbesserungen bewirkt – seitdem halte sich "hartnäckig das Bild, schwache und mittellose NGOs kämpften gegen eine mächtige Industrielobby. Dabei sind sie längst selbst zu einem Industriekomplex herangewachsen." Von den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für Kampagnen und Propaganda könne so mancher Unternehmerverband nur träumen.

Schluß mit Papierkrieg und Ämterschikane (1948)
Schluß mit Papierkrieg und Ämterschikane (1948)
lalibertine schließlich weist darauf hin, dass die "neue GEZ" sich die künftigen Zwangsgebühren, die dann pro Haushalt fällig werden, "mit Hilfe einiger neuer Befugnisse sehr viel effektiver unter den Nagel reißen können. Ein bundesweites Zentralregister, in dem alle Personen ab 18 Jahren gespeichert werden sollen, wird vollen Zugriff auf die Daten der örtlichen Einwohnermeldeämter haben und bei öffentlichen und nichtöffentlichen Stellen ohne Kenntnis des Betroffenen Informationen erheben dürfen."

Im Gegensatz zu "Google Street View" bricht da erstaunlicherweise keine Empörung aus. Ach ja, hier geht's ja nicht um eine private Datenkrake, sondern um eine nichtrechtsfähige von einer öffentlich-rechtlichen Verwaltungsgemeinschaft betriebene Stelle der öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten – wer so heißt, treibt garantiert keinen Daten-Schindluder.

PS: Mehr alte Plakate mit aktuellen Themen gibt es beim Archiv des Liberalismus
letzte Änderung: 08.09.2010


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