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surF - Liberales im Netz Nr. 82 | 11. August 2010

Google hat mit dem Projekt "Google Wave" großmundig das Ende der E-Mail angekündigt – jetzt lässt Google sein Wave wegen Erfolglosigkeit einschlafen. Grund zur Häme? Und was hat das mit Kate Moss zu tun?

Nun könnte man sich über das Scheitern des Suchmaschinen-Riesen freuen, was sicher viele tun, die Google verdammen – sei es wegen seiner Marktführerposition bei Suchmaschinen, seines Erfolges oder der Streetview-Aktivitäten.

Doch ist es auch hier interessant, jene Aspekte des Wave-Endes zu sehen, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Steffen Hentrich hebt hervor, Google lasse das Projekt „Google Waves“ sterben, "statt es aus kosmetischen Gründen endlos zu subventionieren, wohl wissend, dass die Ressourcen anderswo besser eingesetzt sind." Ein vernünftiges Agieren, dass Staaten eher fremd sei, die nicht müde werden, "scheiternde Unternehmen am Subventionstropf zu halten, statt die Ressourcen sinnvolleren Verwendungen zukommen zu lassen."

Kate Moss*
Kate Moss*
Ist Scheitern erlaubt? Kann Scheitern Erfolg bringen? Als Topmodel Kate Moss 2005 mit Kokain in Verbindung gebracht wurde, waren sich die Medien über das Ende ihrer Karriere einig. Das Gegenteil trat ein, was Andreas Steinle mit "Schöner scheitern" überschrieb: "Erfahrungen werden durch Versuch und Irrtum gemacht. Auf die Nase zu fallen, wird dadurch eine wiederkehrende Erfahrung – eine wichtige Erfahrung."

Ein interessantes Experiment zum Thema Scheitern führt Rayson vor, wenn er sich mit Massenentlassungen beschäftigt, die in der Öffentlichkeit negativ wahrgenommen, an der Börse jedoch goutiert werden. Diese "Frage der Moral" hat viel mehr Aspekte, als es auf Anhieb erscheint.

Fest steht: "Von einem rationalen, pragmatischen Umgang mit dem Scheitern größerer Unternehmen sind wir hier zu Lande noch weit entfernt", wie Olaf Gersemann vor einem Jahr inmitten der Krise feststellte. Verantwortungsvolle Politik bestünde vor allem darin, eine Kultur des Scheiterns zu fördern. "Sie bestünde darin, klarzumachen, dass Pleiten nicht per se ein Unglück sind. Sondern dass sie notwendig dazu gehören in einer dynamisch wachsenden Marktwirtschaft. Wenn sich ein Geschäftsmodell wie das Warenhaus in den Zentren von Mittelstädten überlebt hat, hilft es nicht, sich gegen den Niedergang zu stemmen."

Im Fehlen einer Kultur des Scheiterns dürfte im Übrigen auch der Grund liegen, warum sich Politiker im Bereich des Verbraucherschutzes so wohl fühlen und dabei gerne über sinnvolle Regelungen hinaus exzessiv tätig werden. Wobei sich die Frage stellt, ob man zum Beispiel "das Anlagegeschäft, früher ein Musterfall des bewussten Eingehens eines Risikos", überhaupt so regulieren kann (und soll), dass es "nicht risikoreicher oder komplizierter als ein Brötchenkauf" wird, wie Dirk Friedrich schreibt.

Nun kann man als Gegner von Markt und Wettbewerb auch an der Tat der 40 Milliardäre etwas auszusetzen haben, die die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke gespendet haben. Oder man freut sich darüber und liest das Stichwort Liberal, das nicht nur die Vorteile des Wettbewerbs zeigt, sondern auch, wie viel Moral in ihm steckt – gerade wegen der Möglichkeit des Scheiterns.

Stichwort Liberal: WETTBEWERB

*Foto: Deon Maritz
letzte Änderung: 06.08.2010


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