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surF - Liberales im Netz Nr. 79 | 21. Juli 2010

Reichlich Doppelmoral und Diskussionen am Problem vorbei – das sehen liberale Kommentatoren im Nachfeld des Hamburger Volksentscheids zur Bildungspolitik. Entgegen der Pläne von CDU, GAL, SPD und Linken bleiben in Hamburg das echte Elternwahlrecht nach Klasse vier und die Gymnasien erhalten – einzig die FDP stand auf der Seite der Volksinitiative "Wir wollen Lernen".

Links stehende Medien werden nicht müde, die Entscheidung als "Gucci-Protest" zu disqualifizieren und als Abschottung der oberen Schichten. Nicht untypisch der Kommentar der taz, in dem es viel um Solidarität geht, eine Auseinandersetzung zur Sache aber völlig fehlt. "Ausgerechnet Journalisten", so Claudio Casula, "die selbst in den 'wohlhabenden Vierteln' residieren und deren Kinder, sofern sie überhaupt welche haben, eben keine Klasse mit 85 Prozent Migrantenanteil bzw. deutschem Prekariat besuchen, mokieren sich über die Angst bürgerlicher Kreise, dass nun auch noch die Gymnasien den Bach hinuntergehen könnten."

Richard Wagner spricht in seiner Bewertung vom "Spielzeug Primarschule". Weil es für das "längere gemeinsame Lernen" wenig Argumente und noch weniger vorzeigbare Ergebnisse gebe, "wurden wieder einmal die Einwanderer zum großen Verursacher erklärt. Die Schulsenatorin, die in tausend Gremien und zahlreichen weiteren Vereinen des Gutmenschentums sitzt und gut eingestimmt ist auf den Refrain des Verständnisses für den Anderen, den Immigranten, erklärte unumwunden die Defizite in den Einwanderungs-Familien zum Showdown-Argument für ihre Primarschulen-Idee." Das sei schlicht falsch, und Teil der großen ideologischen Irreführung der linksliberalen Öffentlichkeit. Orientierung gebe es in Einwandererfamilien genauso wie bei den einheimischen, und bei diesen wiederum die Bildungsferne, wie der urbane Helfer zu sagen pflege, wie beim Einwanderer. "Dass es bei den Immigranten prozentual mehr sind, die die Probleme verkörpern, liegt an der bis heute mangelhaften Einwanderungspolitik, die sich viel zu wenig an den Interessen unserer Gesellschaft orientiert."

Für Wolfgang Krieger geht die gesamte Debatte am Thema vorbei. Das Kernproblem sei die Lehrerrekrutierung und –ausbildung. In der Realität begännen viele Leute "auf Lehramt" zu studieren, "weil sie anderswo nicht genommen werden oder sich bequem für etwas Bekanntes entscheiden, nämlich die soeben 12 oder 13 Jahre (oder noch länger …) durchlebte Schule. Somit bekommen wir nicht die Begabtesten, sondern vor allem die Bequemsten und Einfallslosesten, von denen viele auch noch mäßig begabt sind. Das Resultat sind schlechte Lehrer, die oft noch im Amt gelassen werden, obwohl ihre mangelhafte Eignung stadtbekannt ist", so der Hochschullehrer.

Ähnlich sieht das euckenserbe: "Der Erfolg hängt aber nicht an der Schulform sondern an der Qualität des Unterrichts. Und der ist das Grundübel. Nicht die Schulen, die Lehrer sind das Problem. Die sind unkündbar, das macht sie unangreifbar. Wenn eine Klasse das Pech hat, zwei Jahre lang einen schlechten Mathematik-Lehrer zu haben, wird das für die Eltern teuer. Für den überwiegenden Anteil der Schüler wird dann Nachhilfe fällig."

Differenzierung statt Gleichmacherei – das ist auch die Forderung von Zettel: "Wenn sich die Didaktiker über eines einig sind, dann ist es die Erfordernis einer Differenzierung im Unterricht. Kinder unterscheiden sich nun einmal in ihren Begabungen und in ihren Interessen. Ein guter Unterricht muss dem Rechnung tragen, indem er - im Idealfall - jeden so fordert und so fördert, dass er aus seiner Begabung das Optimale machen und seine Interessen optimal verwirklichen kann."

Rayson hofft, das jetzt wieder wirklich liberale Bildungsreformen diskutiert werden können: "Die Schulen müssen sich die Lehrer aussuchen können, und sie müssen ein Budget bekommen, über dessen Verwendung sie selbst entscheiden. Auf der anderen Seite werden Schulgutscheine ausgegeben, die bei jeder staatlich finanzierten Schule akzeptiert werden müssen."

Material der Stiftung für die Freiheit zur Bildungspolitik finden Sie bei unserer Initiative pro kopf
letzte Änderung: 20.07.2010


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