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surF - Liberales im Netz Nr. 73 | 19. Mai 2010

"Was immer Du schreibst - schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten." Das sagte einst Joseph Pulitzer, amerikanischer Verleger und Journalist (1847 - 1911). Viele Journalisten machen sich diesen Merksatz zur Regel. Vor allem das mit dem "bildhaft".

Wie beschreibt man nun die Ölmassen, die derzeit im Golf von Mexiko auslaufen? Die KinderZEIT zum Beispiel spricht von einer "unvorstellbaren Menge von Rohöl". David Harnasch rät dagegen, das sehr leicht vorstellbare “Volumen eines Zweifamilienhauses” als Vergleich bemühen – was natürlich weitaus weniger dramatisch klingt.

Greenpeace dagegen erklärt, das Ölfeld vor Louisiana bedecke mittlerweile eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein und wirft BP Tricksereien vor, ähnlich wie "beim bisher größten Ölunfall an der US-amerikanischen Küste, dem Desaster der Exxon Valdez".

Nun sind Tricksereien genau das, was vor allem liberaler Blogger Greenpeace zum Vorwurf machen. Patrick Moore, 1971 in Kanada Greenpeace-Mitbegründer, wird mit dem Vorwurf zitiert, die emotionale Ausrichtung der Kampagnen diene seit einiger Zeit vor allem der Eigenwerbung, und die falsche Prioritätensetzung schade sogar dem Umweltschutz. Das Versenken der Ölplattform Brent Spar des Shell-Konzerns, gegen die Greenpeace 1995 mit einer weltweiten Boykottkampagne protestierte, hätte keinerlei ökologischen Schaden angerichtet und die vollständige Ablehnung der Gentechnik erweise niemandem einen Dienst.

Vor allem aber scheint Greenpeace in Sachen "Brent Spar" bewusst unbrauchbare Messdaten benutzt zu haben, es sei ein "gnadenloser Wettbewerb" in der Organisation ausgebrochen, sich an Brent Spar zu profilieren. Von Selbstkritik keine Spur: "Die Kampagne gegen die Versenkung der Brent Spar war einer der Höhepunkte in der über 30jährigen Geschichte von Greenpeace. Lesen Sie, wie die Macht der Verbraucher einen Ölkonzern zum Einlenken und langfristig auch zum Umdenken brachte", so die Aufforderung der Umweltschützer auf ihrer Website.

Die Affäre "Brent Spar" war dabei keine Eintagsfliege, wie die Frankfurter Allgemeine nun unter dem Titel "Ignorante Aufklärer" zum Thema Gorleben berichtet: "Aus einem eindrucksvollen Beleg für die Undurchlässigkeit des Salzgesteins hat Greenpeace ein k.o.-Argument für Gorleben gemacht. Die Manipulation mit Akten hat sich für die Atomkraftgegner gelohnt: Wie immer, haben ihnen fast alle Medien ihre Schauergeschichte abgekauft."

Nur vereinzelte kritische Stimmen wagten sich bisher an die Frage "Gemeinnützig oder gemeingefährlich?", die für Greenpeace von existenzieller Bedeutung ist. Nur selten wird auf die immense Macht grüner Nichtregierungsorganisationen im politischen Betrieb hingewiesen, die mit keinerlei Mandat ausgestattet sind.

Nun aber hat sich mit "ökowatch" eine Organisation gebildet, die mit dem Anspruch antritt, "umweltpolitische Forderungen von Regierungen und Nichtregierungsorganisationen kritisch und ideologiefrei zu hinterfragen und hinsichtlich der tatsächlichen Wirkung auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt zu prüfen."

Greenpeace selbst bezeichnet sich eher politisch als wissenschaftlich orientiert – in welche Richtung "ökowatch" dabei geht, muss sich noch zeigen. Was die Kampagnengestaltung angeht, hat man von seinem Lieblingsgegner jedenfalls schon mal gelernt:

letzte Änderung: 12.08.2010


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