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surF - Liberales im Netz Nr. 40 | 02. September 2009

„Die Zukunft unseres Landes liegt in unseren Köpfen“ – wie oft schallt es aus allerlei Richtungen laut in diesem Ton. Bildung und Wissenschaft stehen bei Wahlkämpfern hoch im Kurs. Aber nur auf den ersten Blick. Vielen erscheint Wissenschaft eher gefährlich, wenn’s drauf ankommt…

Michael Miersch, bekannter Wissenschaftsjournalist, hat das Thema im Cicero aufgegriffen und konstatiert, Deutschland fehle es an einer Fortschrittspartei. Die FDP sei diesbezüglich aufgeschlossen, rede aber nicht so viel darüber. surF meint: „Schon, nur schreibt darüber kaum jemand“ und führt als Beleg Christel Happach-Kasan an. „Die Grünen“, so Miersch weiter, „lehnen ohnehin alles ab, was über den Anbau von Biokarotten hinausgeht“ und ausgerechnet bei Cicero findet sich ein anschaulicher Beleg dafür:

Nachdem Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“ vielfach dafür kritisiert wird, ihrem Untertitel „Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft“ nicht mehr gerecht zu werden, seit sie ins Erste umgezogen ist, wagt sich die ARD an ein neues Experiment. Politiker als Praktikanten für einen Tag. Besonders amüsant ist das Bemühen von Renate Künast, auf einem Bauernhof weder die Giftspritze in die Hand noch das Wort „Spritzen“ in den Mund zu nehmen.



Künast, Ikone der Nachhaltigkeit, profitiert mit Sicherheit davon, dass derlei Begriffe in der Öffentlichkeit zwar positiv belegt, aber inhaltlich kaum bekannt sind. In der vergangenen Woche hat sich surF mit dieser Problematik im Bezug auf den Kampfbegriff des Neoliberalismus befasst. Auch hier kommt Michael Miersch ins Spiel, der sich in Das Parlament einmal näher mit dem Begriff der Nachhaltigkeit befasst hat, der „für Viele auch die Sehnsucht, alles möge bleiben wie es ist“ transportiert. Was man auch konservativ nennen kann. "Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht" heißt sein lesenswerter Beitrag, der darauf hinweist, dass die „Angst vor Veränderung und ein tiefes Misstrauen gegen das Neue“ uns ebenfalls in diesem Gewande erscheinen. „Nachhaltigkeit wird dann beispielsweise gegen neue Technologien und Globalisierung in Stellung gebracht.“

Wie frei oder reguliert Wissenschaft in Zukunft in Deutschland sein wird, kann man übrigens bequem im „Vergleich der Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2009 zu ausgewählten Themengebieten“ nachlesen, der vom Liberalen Institut zusammengestellt wurde. Gehen Sie dort auf S. 39...

Wissenschaftsfeindlichkeit in Deutschland hat viel mit Nichtwissen zu tun. Eigentlich nur eine logische PISA-Folge. Wer nichts weiß, wird leicht Opfer seiner eigenen Vorurteile. Wer sich dagegen auskennt, der vermag über all dies nur herzlich zu lachen - wie Vince Ebert, "Autor der Freiheit" im Februar, und lustigster Physiker Deutschlands. Der nennt unser Problem mit der Wissenschaft beim Namen: Nachhaltige Gehirnwäsche. Einfach köstlich!
letzte Änderung: 02.09.2009


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