surF - Liberales im Netz Nr. 27 | 13. Mai 2009
surF bewegt sich heute „Unter Linken“. Das Buch des SPIEGEL-Redakteurs Jan Fleischhauer scheint eine erfreulich kräftige Diskussion loszutreten, die vielleicht dazu führt, dass sich verschüchterte Nicht-Linke selbstbewusster und hörbar gegen linken common sense zur Wehr setzen.
Links als mainstream gibt es zwar gar nicht, wie Linke immer wieder behaupten, doch kann jeder, der bei nur halbwegs klarem Verstand ist, sagen: „Doch, es ist so, und ihr Linken wollt nur euer Underdog-Gefühl behalten – deshalb behauptet ihr, der Mainstream sei ‚neoliberal’“. Nein, der mainstream ist schon lange links. Die überwiegende Besetzung der Redakteursbüros in den bundesdeutschen Medien durch Linke ist kein Phantomgebilde, sondern längst durch Studien belegt. Dort zeigt sich, dass Bündnis 90/Die Grünen die Sympathie eines guten Drittels der Journalisten (35,5 %) genießen, mit großem Abstand gefolgt von der SPD (26,0 %) und einem Fünftel der Journalisten (19,6 %), die keiner Partei zuneigen. CDU/CSU (8,7 %) sowie FDP (6,3 %) finden unter Journalisten deutlich unterdurchschnittlich viele Anhänger. Warum diese Studien wenig Verbreitung finden, erklärt sich aus dem Sachverhalt.
„In der Meinungswirtschaft, in der ich mein Geld verdiene, gibt es praktisch nur Linke“, schreibt Fleischhauer und in den vorab veröffentlichten Auszügen aus seinem Buch verschweigt SPIEGEL-online leider den Beleg, den der Autor liefert: Bei einer redaktionsinternen Abstimmung in der eher als konservativ-liberal angesehenen ‚Welt’ lag Rot-Grün „mit weitem Abstand vorn. Das Ergebnis hing kurze Zeit am Schwarzen Brett, dann war es verschwunden. So deutlich wollte man den Besuchern der Redaktion doch nicht auf die Nase binden, dass der heimliche Lebenstraum des normalen ‚Welt’-Redakteurs ein Platz bei der ‚Süddeutschen Zeitung’ ist."
„Wir fahren nach Kuba. Wollen uns die Insel noch mal ansehen, bevor die Yankees sie wieder in einen großen Puff mit Spielhölle verwandeln.“ Dieses wundervolle Beispiel linker Attitüde in Sachen „Wahl des politisch korrekten Reiseziels“ samt Ernüchterung angesichts der kubanischen Realität breitet Wolfgang Röhl genüsslich vor uns aus, der schon oft das juste milieu der Linken durch den liberal-aufgeklärten Kakao zieht.
Noch mehr Fleischhauer? Unter dem Titel „Warum die Linken die Krise nicht lösen können“ findet sich noch mehr zum Thema Linke, Liberale, Idealismus und Realitätssinn. Dieser Artikel wiederum dient Alexander Gutzmer als Grundlage für eine Analyse der „Tragik des Liberalismus“, der Gründe für den beklagenswerten Befund sucht, dass „die Unterschlagung des Liberalismus als eigene Denkrichtung Kernmerkmal des deutschen Politdiskurses“ ist.
Aber da ist er doch, der Diskurs über den Liberalismus. Vielleicht bald lebendiger denn je. Und vielleicht auch deshalb, weil die eingangs zitierte „überwiegende Besetzung der Redakteursbüros in den bundesdeutschen Medien durch Linke“ in Zeiten des Internet mehr und mehr an Bedeutung verliert. Und vielleicht geht der Diskurs auch in eine ganz andere Richtung, als angesichts der Finanzmarktkrise zu befürchten war.
Passend zum Thema zwei Publikationen des Liberalen Instituts:
„Der Staat als Super Super Nanny"
und
„Argumente zur Auseinandersetzung mit der Linkspartei".
Einen kritischen und zugleich liebevollen Blick auf Kuba wirft unser Altstipendiat Florian Borchmeyer in seinem Film "Havanna - Die neue Kunst Ruinen zu bauen".





