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surF - Liberales im Netz Nr. 146 | 30. November 2011

Schnelle Autos, brutale Filme und politisch unkorrektes Reden sollen verboten werden – dieser Meinung ist eine beträchtliche Zahl von Deutschen, wie eine Studie ergeben hat. Die "Welt" kann nicht anders und konstatiert: "Die Deutschen lieben Verbote."

 

Für den Freiheitsindex Deutschland wurden 1.800 Bundesbürger nach wissenschaftlichen Standards befragt und mehr als 2.000 Artikel in überregionalen Printmedien ausgewertet. Demnach hat Freiheit in den analysierten Medien einen geringeren Stellenwert, als in der Gesamtbevölkerung. Angesichts der Tatsache, dass gerade die Medien auf Werte wie Meinungsfreiheit und Pressefreiheit angewiesen sind, ein ebenso erstaunliches wie frustrierendes Ergebnis. Erst vor kurzem durfte man sich darüber wundern, wie die Pläne der Linkspartei zur Beschneidung der Pressefreiheit ohne Resonanz in den Medien blieben.

 

Genießen wir also – so lange es noch nicht verboten ist – Veröffentlichungen, die gegen den Strich bürsten. Hier eine Auswahl aktueller Publikationen, die schon bald auf dem Index stehen könnten:

 

Cora Stephan etwa hat die Nase voll von Redwendungen wie "Furien des Kapitals", "Macht des Geldes" oder dem "verwilderten Finanzkapitalismus", "an dessen Drähten was baumelt? Natürlich: die Marionetten der politischen Klasse." Mit Analyse habe das nichts zu tun. So betreibe man vielmehr das Spiel all jener Nebelwerfer, über die zu reden wäre, wenn nicht "Banken" und "Märkte" als Sündenbock zur Verfügung stünden: die Politiker. Schon, wer sich seines Verstandes bediene und die Betroffenheitslyrik nicht mitsumme, sei verdächtig. "Liberal" werde nicht mehr mit den Freiheitsrechten des Individuums, sondern mit schrankenlosem, "entfesseltem" Egoismus assoziiert, wobei der "Raubtierkapitalismus" bereits um die Ecke luge, schreibt Stephan: "Heute herrscht das Justemilieu, ein linkes Spießertum, eine Gefühlsschickeria, der es reicht, gegen Rechts 'Gesicht zu zeigen', statt sich ihres Verstandes zu bedienen."

 

Ebenso verbotsgefährdet ist die Äußerung von Zweifeln an Ursachen und Ausmaß des Klimawandels, was das frisch erschienene Buch Realitätscheck für den Klimaschutz – Globale Klimapolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf den Index bringen könnte: Noch stecke die Klimaforschung in den Kinderschuhen, heißt es dort, und kämpfe mit ungenauen Daten und einer Natur, die sich auch mit den komplexesten Modellen nicht zufriedenstellend beschreiben lasse. "Zukunftsprognosen bleiben Kaffeesatzleserei."

 

Verboten gehören auch renitente Autoren wie Harald Martenstein, der sich über den "Sog der Masse" in einem Essay beschwert. "Reaktanz ist gut", meint Martenstein, "weil sie eine Einheitsgesellschaft mit Einheitsmeinungen verhindert. Reaktanz ist – ausnahmsweise werde ich pathetisch – der Beweis dafür, dass wir zur Freiheit geboren sind." Und für das Massenmedium Fernsehen hat Martenstein einen Wunsch, der wohl niemals in Erfüllung gehen wird: "Einmal pro Woche, 30 Minuten lang, müsste jemand einer von fast allen geglaubten Wahrheit widersprechen, oder eine abseitige Meinung äußern, oder den aktuellen public enemy verteidigen. Ohne Ironie. Ohne einen Moderator, der sich distanziert."

letzte Änderung: 24.11.2011


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