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surF - Liberales im Netz Nr. 142 | 02. November 2011

Meinungsfreiheit, sollte man meinen, ist bei uns kein Thema. Dennoch ist die Ausübung dieses Grundrechts immer wieder bedroht und das auf unterschiedlichste Art und Weise. Mal durch Geld von Interessenverbänden, mal durch handfeste Beleidigungen…

 

Bei aller Freude über die durchs Internet vervielfältigten Möglichkeiten, seine Meinung zu äußern – man muss auch mehr aushalten als Autor. Wo früher ein paar gehässige Leserbriefe in der zuständigen Redaktion ausgefiltert wurden, gibt's jetzt in den Online-Kommentarspalten freie Bahn für jedermann, seinen Senf dazuzugeben.

 

Laut Harald Martenstein "reagieren viele Menschen sehr aufgeregt auf Meinungen, die sich mit ihrer eigenen Meinung nicht decken ("Widerspruch ist normal - aber warum werden manche Leute so wütend?"). Ich weiß das, weil ich zu fast jeder Kolumne ein paar Briefe bekomme, in denen mir, auf die eine oder andere Weise, die Pest an den Hals gewünscht wird." Ein gewisses Verständnis dafür zeigt Martenstein, wenn er schreibt: "Dass nicht alle genauso denken wie man selbst, bleibt ein Ärgernis, welches nur vom Wetter, von der Endlichkeit des Lebens und von der Deutschen Bahn übertroffen wird."

 

Jan Fleischhauer ist – jedenfalls im SPIEGEL-online-Umfeld – auch nicht gerade der Beliebteste, wie seine Kommentar-Sammlung zeigt: Die reicht von "in seiner Persönlichkeit schwer gestört. Der Mann ist schlicht krank" bis zu "der Prototyp des verhinderten Burschenschaftlers mit dem geistigen Horizont einer Stubenfliege." ("Fleischhauer abschalten, jetzt!")

 

Man kann den Autoren und auch ihren Vorgesetzten nur wünschen, sich von derlei nicht irritieren zu lassen. Und den Leserbriefschreiben zwei Pfund Anstand.

 

Unter Journalisten ist längst bekannt, wie Unternehmen und Interessenverbände für gefällige Berichterstattung sorgen. Kaum eine Neuvorstellung eines Autos, die nicht mit einem mehrtägigen Aufenthalt im 5-Sterne-Hotel irgendwo am Mittelmeer verbunden ist. Die tageszeitung kann sich rühmen, von sich aus Beispiele aus dem eigenen Haus veröffentlicht zu haben ("taz geht mit schlechtem Beispiel voran"). Chapeau! Vor allem deshalb, weil die genannten Beispiele zeigen, wie selbstverständlich auch "die guten Lobbyisten" zu solchen Mitteln greifen – der BUND etwa oder die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, Eurosolar: "Ob die taz in ihrem Wochenendmagazin taz.mag nicht zufällig die diesjährigen europäischen Eurosolar-Preisträger vorstellen wolle, quasi in einer Sonderausgabe? Eurosolar könne die Preisträgerliste liefern und, weil für die Porträts Reisen in verschiedene europäische Länder unerlässlich sind, 6.000 Euro anbieten."

 

Und so schillert die Meinungsfreiheit in tausend Farben, je nachdem, von welcher Seite man sie betrachtet. Es gibt auch die nicht ausgeübte Meinungsfreiheit. So ist es unwahrscheinlich, dass das Buch „The Delinquent Teenager Who Was Mistaken for the World’s Top Climate Expert“ von Donna Laframboise jemals in deutscher Übersetzung erscheinen, geschweige denn darüber berichtet wird. Darin wird der Vorwurf erhoben, im Weltklimarat säßen eine Menge unqualifizierte oder nur eingeschränkt glaubwürdige Wissenschaftler. Eine offene Diskussion zum Klimawandel findet hierzulande nach wie vor nur im Internet statt, andernorts schalten sich auch Massenmedien ein wie in diesem Falle Sun News mit einem interessanten Interview mit der Autorin. Wer so etwas in Deutschland macht, muss damit rechnen, dass er wegen kritischer Untertöne gleich zum Thema einer entrüsteten Anfrage im Bundestag werden könnte – bei manchen Themen wird eben gerne mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

letzte Änderung: 02.11.2011


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