surF - Liberales im Netz Nr. 141 | 26. Oktober 2011
Krise hin, Krise her – die so genannte Krise des Liberalismus bringt es mit sich, dass verstärkt über den Liberalismus diskutiert wird. Nicht nur in der FDP. surF präsentiert frische Verteidigungsreden von Norbert Bolz, Vera Lengsfeld und Gerd Habermann.
Norbert Bolz: Die fröhlichen Sklaven
"Entmündigung droht dem Bürger auch durch den Sozialstaat: Er kauft den Bürgern Freiheit ab - für das Versprechen der Sicherheit und Gleichheit", schreibt Norbert Bolz in der Frankfurter Allgemeinen. Der Wohlfahrtsstaat habe den Bürgern die Freiheit abgekauft, nämlich für das Versprechen der Sicherheit und Gleichheit. In der Tat bringe die fröhliche Sklaverei unter kapitalistischen Bedingungen fast allen einen akzeptablen Lebensstandard und hohe Lebenssicherheit. Die moderne Gesellschaft zerfalle nicht mehr in Arbeiter und Kapitalisten, sondern in Betreute und Betreuer. Dabei entwickle sich auf beiden Seiten eine unheilvolle Eigendynamik: "Die Betreuer und Sozialarbeiter haben ein Interesse an der Hilflosigkeit ihrer Klientel, während diejenigen, die es gelernt haben, sich hilflos zu fühlen, nur noch mit der entlastenden Erklärung ihrer Unfähigkeit beschäftigt sind."
Vera Lengsfeld: Die Mühsal mit dem Liberalismus
"Liberalismus ist die einzige Idee, die sich nicht an eine bestimmte Klasse oder Klientel richtet, sondern für alle da ist. In einer Zeit, in der dringend liberale Konzepte gebraucht würden, ist der Liberalismus scheinbar diskreditiert und am Boden", meint Vera Lengsfeld. Sie sieht darin "die Marginalisierung des liberalen Denkens in unserer Gesellschaft und die Renaissance des Staatsdirigismus." Die Idee der Machtbeschränkung, ein Kernstück des Liberalismus, sei Politikern und anderen Staatsapologeten natürlich suspekt. Europa brauche mehr politische Partizipation, besonders in der sensiblen Frage, ob ein vereintes Europa ein Einheitsstaat werden oder ein Europa der Vaterländer bleiben soll. "Wenn diese Prinzipien allgemein durchgesetzt werden", so Lengsfeld, "hat der Liberalismus in Europa eine Zukunft."
Gerd Habermann: Der Liberalismus hat Europa zum Aufstieg verholfen
"In allen Parteien findet sich nur noch Restliberalismus. Schade. Denn echter Liberalismus ist das Menschenfreundlichste und Sozialste, was es gibt" – so das Statement von Gerd Habermann in der Welt. Den Liberalismus aber, so Habermann, "den brauchen wir – an seinem Weiterbestehen hängen Reichtum, Massenwohlstand und die Möglichkeit, Gutes zu tun, an ihm hängen der Glanz, die Vitalität und Schönheit unserer Kultur, in Deutschland und sonst auf der Welt." Der Liberalismus habe den Aufstieg Europas, das "Wunder Europa" ermöglicht. Ohne seinen prägenden Beitrag heiße das Zukunftsprogramm: Abstieg, namentlich des "kleinen Mannes".





