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surF - Liberales im Netz Nr. 140 | 19. Oktober 2011

"Occupy irgendeine Stadt" war das Motto der Demonstrationen des vergangenen Wochenendes. "Immerhin konnten fast so viele Menschen mobilisiert werden wie beim norddeutschen Ponymarkt in Hunteburg vor einer Woche", bemerkte dazu Malte Lehming im Tagesspiegel. Umgekehrt proportional die Resonanz in den Medien. Das haben die liberalen Blogs dazu geschrieben:


Manfred Gillner (Achse des Guten)

Wenn die Banken den Kapitalismuskritikern, die heute unter dem Beifall der Parteien und Medien auf die Straße gingen, doch endlich nachgeben würden! Das würde bedeuten, sie, die „gierigen“ und „mächtigen“ Banken, kauften ab sofort keine Staatsanleihen mehr, wie sie es brav in den letzten Jahrzehnten taten. Dann wären viele Staaten, auch der deutsche, innerhalb kürzester Zeit zahlungsunfähig, und das Geld vom Amt sowie die Rente blieben ganz oder zum Teil aus.


DrNick (Zettels Raum)

Statt in Frankfurt vor den Banken zu demonstrieren, wäre der deutsche Steuerzahler gut beraten, seine Proteste gegen diejenigen zu richten, die wirklich für die gegenwärtige Misere verantwortlich sind: Politiker im Süden, die in ihren Ländern jahrelang für Wohlstand auf Pump gesorgt haben, und Politiker im Norden, die bei dem Treiben gerne beide Augen zugedrückt haben, weil man sich nicht dem Verdacht aussetzen wollte, ein "schlechter Europäer" zu sein, oder auch weil man gerade selbst mit zu hohen Defiziten zu kämpfen hatte.


Rayson (Bissige Liberale ohne Gnade)

Um über die reine Berichterstattung hinaus Erfolg zu haben, müssen Demonstrationen ansonsten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine davon wäre, dass sie den politischen Vorstellungen der berichtenden Journalisten entgegenkommen. Das ist eine hinreichende Begründung für ausgiebige Berichterstattung nicht nur am Tag der Demo, sondern auch werbend davor und kommentierend danach, wie z.B. jetzt beim deutschen Franchise "Occupy [beliebige deutsche Stadt]".

euckenserbe (Freunde der offenen Gesellschaft)

Auf allen Kanälen werden wir unverdrossen mit Kapitalismuskritik vollgemüllt und jeder Vorzeigeintellektuelle der letzten 30 Jahren von Ulrich Wickert bis Julian Nida-Rümelin hat über den Verfall der Sitten und die Gier in der Gesellschaft ein Buch geschrieben und darf deshalb neben dem unvermeidlichen Günter Wallraf Platz nehmen, um dasselbe so lange in die Kamera zu halten, bis es endlich auf der Spiegel-Bestseller-Liste zu sehen ist.


Sascha Tamm (Antibürokratieteam)

Ich protestiere dagegen, dass die Protestierer in keiner Weise gegen die Ursachen der derzeitigen Krise, gegen die tatsächlichen Probleme des Finanzsystems protestieren. Ich protestiere gegen die Verletzung aller Regeln des klaren Denkens durch die Anti-Banken-Protestierer. Und ich protestiere gegen den Unsinn, den die politischen und publizistischen Unterstützer dieser Demonstrationen (inzwischen muss man wohl sagen: von Schäuble über Prantl bis zu Wagenknecht und zurück) mir immer wieder zumuten.
letzte Änderung: 19.10.2011


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