surF - Liberales im Netz Nr. 137 | 28. September 2011
"Benedikt has left the building" – der Papst ist wieder abgereist, die Abgeordneten wieder in den Niederungen der Staatsschuldenkrise angekommen. surF hat das Echo auf den Papstbesuch in verschiedenen Blogs zusammengetragen:Freunde der offenen Gesellschaft
Die Ökumene ist völlig überflüssig und ich kann irgendwie auch verstehen, wenn der Papst nicht mit Frau Käßmann zusammen den Messwein trinken will. Und die Protestanten? Die wollten doch den Papst loswerden und haben es nun geschafft. Und jetzt wollen sie auf Teufel komm raus wieder mit ihm zusammenarbeiten?
B.L.O.G.
Mitunter wird hier aber ein Furor sichtbar, der sich vor allem daraus speist, dass es die römische Weltkirche verabsäumt, dem angeblich korrekten Beispiel ihrer deutschen, protestantischen Glaubensbrüder zu folgen. Die Erfahrung sagt dem aufmerksamen Beobachter also, dass vor allem Nicht- oder Weniggläubige fordern, die Gläubigen hätten Änderungen an ihren Vorstellungen vorzunehmen.
fxNeumann
Benedikt hat ein großartiges Plädoyer für die Begrenzung des Glaubens an eine Allzuständigkeit und Allmacht der Politik gehalten – etwas, das ich heute für mehr denn je wichtig halte. Wer aber nur den Menschen und seine kollektive ideale Natur kennt, übersieht jeden einzelnen Menschen in seiner Verschiedenheit – der Papst und die Proponenten seines Naturbegriffs sehen objektive Unordnung, wo subjektiv nur Liebe ist.
achgut
Beide Gastgeber des Berlin- Aufenthalts von Papst Benedikt, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundespräsident Christian Wulff, haben sich bei der Begrüßung ihres Gastes jeweils mit ungewöhnlicher Deutlichkeit und in geradezu fordernder Weise zu Fragen der angeblich fälligen Kirchenreform geäußert. Dass Beide sich im Amt zu Kirchenangelegenheiten äußern, lässt uns vorübergehend an eine Erweiterung der Hermeneutik bei der Trennung von Kirche und Staat denken.
Ralfschuler's Blog
Deutschlands Protestanten sind enttäuscht. Das schreiben zumindest die meisten Kommentatoren über das Treffen des Papstes mit den Vertretern der Evangelischen Kirche in Erfurt. Sie hatten auf „deutliche Schritte“ oder Gesten des Pontifex Maximus im Sinne der Ökumene gehofft. Was genau sie sich da vorgestellt hatten, weiß man nicht. Wahrscheinlich hätte der Nachfolger Petri sich ein Beispiel an der Kanzlerin und ihrer Energie-Wende nehmen sollen: ,Wir haben jetzt 500 Jahre gestritten. Also gut: Ihr habt recht.‘
Novo Argumente
Alarmierend war Benedikts Auftritt insofern, als dass er mit seiner Fähigkeit, Gegner wie Anhänger zu verblüffen, der Politik ein fatales Zeugnis ausstellt: Wenn sich die politische Elite von einem als erzkonservativ und stocksteif geltenden Papst die Leviten lesen lässt und dieser sich bei der Verwendung von als progressiv geltendem politischen Vokabular nicht einmal mehr inhaltlich verbiegen und strecken muss, dann sind intellektuelle Ermattung und Orientierungslosigkeit weit fortgeschritten. Es ist bezeichnend für die politische Kultur eines Landes, wenn die Rede eines katholischen Kirchenoberhauptes im Parlament von nahezu allen Beteiligten als „erfrischend“ wahrgenommen wird.





