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surF - Liberales im Netz Nr. 132 | 17. August 2011

Der Kontext für die Ausschreitungen in England sind vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit oder die Wut der Arbeiter über die Kürzungen von Sozialleistungen – heißt es allenthalben. In den liberalen Blogs wird eine andere Ursache ausgemacht: Der Wohlfahrtsstaat.

"Die Jugendlichen, die nun 'aufstehen', sind Zerstörer ihrer eigenen Gemeinden, und sie vertreten eine Generation, die mehr vom Staat bekommen hat als jede der Generationen vor ihr", meint Brendan O'Neill und erhebt damit Einspruch von linker Seite. "Was wir sehen", schreibt O'Neill im "schweizer monat", "ist keine politische Rebellion, sondern ein wilder Ausdruck der Nichtachtung von Mitmenschen. Und als Linker weigere ich mich, dieses nihilistische Verhalten, das zutiefst negative Auswirkungen auf die Leben der betroffenen Menschen hat, zu feiern."

Zettel erinnert an ein Marx-Zitat, nachdem die Proletarier in der kommunistischen Revolution nichts zu verlieren haben als ihre Ketten und fügt hinzu: "Heute haben sie nichts zu verlieren als ihre Smartphones."

Die Gesellschaft des Westens habe ihre Leitkultur in den letzten Jahrzehnten Schritt für Schritt entwertet, analysiert Richard Wagner. "Zu den Ergebnissen gehört auch die Banalisierung von Gerechtigkeit und Freiheit. Gerechtigkeit heißt heute, in aberwitziger Verkürzung, einen Anspruch auf die Standards aller Art zu haben, und Freiheit bedeutet letzten Endes, zu meinen, sich frei bedienen zu können."

Für Clemens Wergin werden gewöhnliche asoziale Verbrecher in den Medien zu Sozialrevolutionären aufgewertet. Die Plünderer und Brandschatzer seien Kinder genau jenes Anspruchsdenkens, das nur noch danach fragt, was die Gesellschaft einem angeblich schulde anstatt zu fragen, was man selbst zur Gesellschaft (oder auch nur zur eigenen Entwicklung) beitragen könne: "Jahrelang wurde ihnen eingeredet – und sie haben es sich selbst eingeredet –, dass sie Opfer der Verhältnisse sind."

Im Fall der Plünderungen in England sei eine breite Koalition von Polenz bis zur FAZ schnell mit populistischen Erklärungsmustern aus der sozialistischen Schublade zur Hand, heißt es bei den Freunden der offenen Gesellschaft: "Nicht die Plünderer, Brandstifter und Diebe sind schuld, sondern die unsozialen Zustände in Großbritannien. Mit einem höheren Spitzensteuersatz wäre das nicht passiert."

Und politplatschquatsch hat die eigentlichen geistigen Brandstifter der Krawalle ausgemacht: The Clash. Der Clash-Song "London Calling", von Mick Jones und Joe Strummer erdacht und 1979 erschienen, beschreibe eine apokalyptische Version der britischen Hauptstadt, erfüllt von Schlachtgeschrei und Krieg. The Clash sind also schuld!

Hintergrund:Gewaltkriminalität: Kann man durch Sozialleistungen gesellschaftlichen Frieden erkaufen? von Gérard Bökenkamp (Liberales Institut)
letzte Änderung: 12.08.2011


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