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surF - Liberales im Netz Nr. 122 | 08. Juni 2011

"In Dresden haben die Grünen einen Parteitag abgehalten. Es wurde dort allerdings ungewöhnlich viel gesungen und gebetet" – das ist der kürzeste Kommentar zum Kirchentag, der auch sonst liberale Autoren beschäftigt hat.

"Dass dieser Kirchentag politisiert sein würde, aber beileibe nicht politisch ausgewogen, war zu erwarten gewesen", schreibt Zettel und weist auf die institutionellen Verflechtungen von Grünen und evangelischer Kirche hin: "Die Präsidentin des Kirchentags, Katrin Göring-Eckardt, ist zugleich eine prominente Abgeordnete der Partei 'Die Grünen'. Dessen Generalsekretärin Ellen Überschar ist Mitglied der 'Grünen Akademie'; eines nach eigener Auskunft "Netzwerks" der Heinrich-Böll-Stiftung, also der 'parteinahen Stiftung' der 'Grünen'." Das gleiche gelte für die Inhalte der Veranstaltung: "Die Themen des Programms lesen sich streckenweise wie die Tagesordnung eines Parteitags der 'Grünen'."

Grüne Schals, grüner Kirchentag?
Grüne Schals, grüner Kirchentag?
Vor allem die grüne Fraktionschefin Renate Künast "ließ auf ihrem Rundweg durch Dresden keine Gelegenheit aus, um den Atomausstieg zu fordern", schreibt Matthias Kamann. "Im Gottesdienst rief sie zum Wechsel des Stromanbieters auf, wenn der bisherige Atomreaktoren betreibe. Am Mittwochabend, beim Empfang der Grünen für die Kirchenoffiziellen, sprach sie mit Blick auf die Energiepolitik von 'unseren gemeinsamen Herzensanliegen' so nachdrücklich, als sei der Kirchentag die Fortsetzung grüner Politik mit religiösen Mitteln."

Vera Lengsfeld wundert sich in ihren "Impressionen vom Kirchentag in Dresden", nur zwanzig Jahre nachdem die Osteuropäer ein Unterdrückungssystem abgeschüttelt haben, dass die Volkswirtschaften ehemals blühender Länder total ruiniert und vielen Menschen Leid und Tod gebracht hat, werde wieder munter über eine „Systemwende“ nachgedacht, die in den Totalitarismus führe. "Utopien wird man doch haben dürfen…"

Besonders viel Widerspruch provozierte Kirchentags-Superstar Margot Käßmann. Die Anti-Kriegspolemik der Pastorin auf dem Kirchentag in Dresden sei banal und falsch, meint Matthias Matussek. Käßmann habe "aus unseren Soldaten, die unter enormen Entbehrungen und Belastungen Dienst tun, wider besseren Wissens kaltblütige Täter gemacht. Das ist ein Anschlag auf die Ehre jener, die ihren Arsch letztlich auch für diejenigen riskieren, die Kirchentage ausrichten, auf denen sie dann als Mörder beschimpft werden."

Ralf Neukirch wirft Käßmann vor, ihr politisches Weltbild beruhe auf einer klaren moralischen Zweiteilung: "Es gibt nur Gut und Böse. Man muss sich zwischen beiden Seiten entscheiden.
Aber so einfach ist die Wirklichkeit nicht."

Käßmann, stichelt schließlich Jan Feddersen in der taz, "ist die uncouragierteste Person des Nachkriegsprotestantismus. Sie hat den Siegeszug christlichen Gedankenguts in den öffentlichen Diskurs angeführt: Krieg ist doof, immer; Armut ist grausam, stets und ständig; einfache Merksätze sind lebendiger als komplizierte Diskurse."
letzte Änderung: 08.06.2011


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