surF - Liberales im Netz Nr. 117 | 04. Mai 2011
Wen wundert's? Der Tod von Osama bin Laden beschäftigt auch die liberalen Blogs in dieser Woche. Die Überschriften gehen vom schlichten "Jetzt ist er weg!" bis zum satirisch angehauchten "Karl Ranseier ist tot" – in Erinnerung an die Comedyshow RTL Samstag Nacht.
Dort, bei den Bissigen Liberalen ohne Gnade, heißt es: "Verlass war immerhin auf das Internet: Da blühten wieder die Verschwörungstheorien. Während die einen darauf bestanden, alles sei nur Show, Osama lebe selbstverständlich noch und halte sich mit Elvis an einem geschützten Ort auf, fanden die anderen hundert Dinge (zum Ankreuzen), wovon Obama mit der Aktion in Wirklichkeit ablenken wollte (Dass die angebliche Geburtsurkunde in Wirklichkeit ein Aufnahmeantrag für die KPH, die Kommunistische Partei Hawaiis, war, ging in dem Trubel zum Beispiel komplett unter!). Wieder andere monierten, Osama sei ohne Begleitung eines Anwalts erschossen worden."
Beim Antibürokratieteam finden feiernde US-Bürger Rückendeckung: "Amerikaner die in den Strassen tanzen und die Fahne schwenken, zeigen, dass ihr moralischer Kompass noch richtig genordet ist. Ähnliches machen die Deutschen schon bei dem vergleichsweise nichtigen Anlass einer verlorenen Fußball-WM."
Bei novo argumente wird vermutet, es werde wohl nicht lange dauern, bis Osama Bin Laden der westlichen Politik fehlen wird. Seine Erschießung aber nun als “größten Erfolg des Anti-Terror-Krieges” zu feiern, offenbare zum einen die völlige Verhaftung der Politik auf der Ebene reiner Symbolik, und zum anderen die schiere Ahnungslosigkeit, wie mit dem islamistischen Terrorismus wie auch mit dem von diesem inspirierten internen Terrorismus im Westen umzugehen sei.
Bei der Achse des Guten wundert man sich über die Reaktionen auf Bin Ladens Tod in Deutschland: Hierzulande sei man anscheinend dabei, "den Anspruch auf die maßgebliche Anwendung des Turbo-Völkerrechts zu erheben." Der Autor malt sich aus, die Aktion in Pakistan sei nicht von der amerikanischen Sondereinheit, sondern von der Bundeswehr durchgeführt worden. "Lassen wir für den Augenblick beiseite, dass dieses schon an unserer Auffassung vom Völkerrecht gescheitert wäre, und lassen wir den Dingen trotzdem ihren Lauf. Der waffenlose Bin Laden ergibt sich also kampflos der Bundeswehr, weil er den Eröffnungsparagraphen des Grundgesetzes 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' kennt, und wird anschließend nach Deutschland gebracht."





