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surF - Liberales im Netz Nr. 111 | 23. März 2011

"Deutschland sucht den Super-GAU" – diese Schlagzeile war in den letzten Tagen gleich mehrfach in Blogs (z.B. hier und hier) zu lesen. Der originell formulierte Seitenhieb auf die deutschen Medien wurde nicht ganz ohne Grund verteilt, es wimmelt nur so von Übertreibungen und Fehlern.

 

Die Suche nach der Megasensation, nach dem Hyperunglück zeigt sich schon in der inflationär verwendeten und unzulässigen Steigerung des Begriffes GAU, in dem das "Super" ja schon enthalten ist: Es muss noch größer als das Größte sein. Doch wird die Musik nicht nur in den Schlagzeilen gemacht. So hat Zettel in einer "Tageschau"-Reportage über das Unglück im KKW Fukushima Daiichi in zweieinhalb Minuten Sendestrecke vierzehn sachliche Fehler entdeckt. Sozusagen ein journalistischer GAU, der größte anzunehmende Unfall im Flagschiff des Fernsehjournalismus.

 

Das alles bleibt nicht ohne Wirkung: "In Stuttgart, so berichtete am Donnerstag der SWR2, würden im Strahlenschutzamt die Telefone heiß laufen. Jodtabletten seien ausverkauft und Strahlungsmessgeräte ebenfalls", heißt es bei Novo-Argumente – oder man lässt Kinder im Happening-Bezirk Kreuzberg Atomkuchen verkaufen; alles kein Wunder in einem Klima, in dem sachliche Information von Experten gerne als Beschwichtigung gebrandmarkt wird.

 

Es wird viel geschrieben und gesendet, es wird viel gefordert und gemutmaßt, aber selten werden Begründungen für Behauptungen präsentiert. "Aber wozu braucht es die schon bei diesem Thema?"

 

In dieses Bild passt ganz wunderbar ein Cem Özdemir, der Gigabyte mit Gigawatt verwechselt und das wiederum mit Gigawattstunden, der "keine Ahnung [hat] vom grundlegenden Unterschied zwischen installierter Leistung und verfügbarer Leistung" und "offensichtlich Spitzenlast und Jahreshöchstlast" verwechselt – und das alles in einem einzigen Interview.

 

Alte Journalistenregel: "Make it big." So funktionieren Massenmedien. So ist das nun mal. Und so wird auch dieses Thema weichen und einem anderen Aufreger Platz machen – allein schon, weil bald die meisten Redakteure das Wort Fukushima nicht mehr hören können. Dann landen die Atomnachrichten im Abklingbecken. Wie so vieles zuvor.

letzte Änderung: 22.03.2011


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