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surF - Liberales im Netz Nr. 102 | 19. Januar 2011

"Unsere Welt ist dioxinverseucht – und vor allem die Medien." Das schreibt der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer und spielt damit auf eine Berichterstattung an, die sich fast schon auf das Ausrufen des Wortes "Skandal" beschränkt.

Dabei gibt es genügend Quellen, die zwar aus dem Skandal kein Skandälchen machen, aber zumindest dafür sorgen können, nicht schon beim Anblick eines Eis gleich grün im Gesicht zu werden. Aber jene Quellen werden nicht so gerne zitiert, würde das doch die Wichtigkeit der Rolle einschränken, die Politiker und Journalisten am liebsten spielen: die Rolle des Anwalts des schutzlosen Verbrauchers.

Wir gönnen uns für über 50 Millionen Euro jährlich ein Bundesamt für Risikobewertung – nur wenn das Amt mal etwas zu bewerten hat, dann dringt es irgendwie nicht so recht in die Öffentlichkeit vor.

Kalottenmodell des 2,3,7,8-TCDD
Kalottenmodell des 2,3,7,8-TCDD
"Würde jemand einen Monat lang täglich 2 dieser Eier gegessen haben, ergäbe sich eine zusätzliche Aufnahme von 3600 Picogramm. Damit würde sich die Dioxin-Gesamtmenge im Körper auf ca. 153 600 Picogramm WHO-PCDD/F-TEQ erhöhen, die Konzentration im Körperfett eines jungen Erwachsenen würde von 10 auf ca. 10,24 Picogramm pro Gramm Körperfett ansteigen", schreibt das Bundesinstitut für Risikovorsorge zum Dioxin-Skandal. Dieses Statement ist in der deutschen Medienlandschaft ungefähr so leicht zu finden wie das Spurenelement Dioxin im Labor.

Stattdessen kaufen die Deutschen die Bio-Supermärkte leer. Dabei hieß es noch im vergangenen Mai in der Tagesschau: "Skandal um Dioxin in Bioeiern weitet sich aus". Wer nun mehr darüber erfahren will, dass die Handhabung besonders strenger Dioxin-Richtwerte à la longue das Aus für Freiland-Produktion und Bioanbau bedeuten würden, der sollte sich das Interview mit Udo Pollmer ansehen. Er wird dann die Frage der Bild-Zeitung ("Dioxin jetzt auch in der Milch?") mit einem klaren "Ja" beantworten können. Weil Dioxin überall ist. Und feststellen, dass die in Hühnereiern nicht mehr zulässige Dioxin-Menge im Fisch erlaubt ist.

Wenn Probleme auftauchen, kann man sich damit auseinandersetzen und sie lösen – oder in Panik machen. In Deutschland herrscht ein Hang zur zweiten Variante vor. Damit und mit der Frage, ob man BSE bekommt, wenn man lange auf seinem Rindsledersofa sitzt, beschäftigt sich auch der Freiheitskongress der Stiftung mit Hans von Storch, Christel Happach-Kasan, Walter Krämer und Vince Ebert am 19. Januar 2011 in Berlin. In garantiert panikfreier Umgebung – dazu sind Sie herzlich eingeladen.
letzte Änderung: 18.01.2011


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