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"Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut..."

Stadthaus zu Halle
Stadthaus zu Halle
Mit einem Festakt der Stiftung für die Freiheit und der Erhard-Hübener-Stiftung haben in Halle Politiker und Zeitzeugen an 20 Jahre Deutsche Einheit erinnert – allen voran Hans-Dietrich Genscher, der den Festvortrag hielt.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthaus zu Halle setzte Genscher einen für einige Besucher überraschenden Schwerpunkt: Der frühere Bundesaußenminister streifte die Geschichte des Mauerfalls nur und befasste sich auch nur am Rande mit dem Einigungsprozess. Genschers Schwerpunkt war die europäische Dimension des Geschehens der Jahre 1989/90 und die Lehren, die daraus für heute zu ziehen sind.

Rolf Berndt
Rolf Berndt
Das rundete eine Veranstaltung hervorragend ab, in der schon in den Grußworten verschiedene Aspekte des Einigungsprozesses angesprochen worden waren. So hatte Rolf Berndt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, auf die politischen Meilensteine hingewiesen, ohne die die Vollendung der Einheit Deutschlands wohl nicht möglich gewesen wären: die Arbeit von Walter Scheel, einem der Väter der Entspannungspolitik; der Moskauer Vertrag von 1970 samt des Briefes zur deutschen Einheit, in dem festgestellt wird, dass der Vertrag nicht im Widerspruch zu dem Ziel der Bundesrepublik steht, auf einen Frieden in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt; der Helsinki-Prozess; die Solidarność-Bewegung und Gorbatschows Perestroika.

„Noch heute fühlen sich viele der Freiheit nicht gewachsen“

Cornelia Pieper
Cornelia Pieper
Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt aus dem Wahlkreis Halle, erinnerte an den Einsatz der Bürger, die eine friedliche Revolution auf deutschem Boden zuwege brachten, aber auch an den Mut jener Politiker, die ohne Zögern, mutig und zielstrebig die Einheit umsetzten – Politiker wie Hans-Dietrich Genscher.

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, legte einen Schwerpunkt auf den nunmehr seit zwanzig Jahren andauernden Einigungsprozess. Kritik an einzelnen Punkten sei dabei durchaus berechtigt, insgesamt jedoch gehe es hier um eine Erfolgsgeschichte – was man allerdings immer wieder verdeutlichen müsse: Nicht jeder habe bis heute verstanden, dass Freiheit auch Selbstverantwortung bedeute und Risiko.

Wolfgang Böhmer
Wolfgang Böhmer
„Noch heute fühlen sich viele der Freiheit nicht gewachsen“, sagte Böhmer und forderte dazu auf, gerade Jüngeren die jüngere Geschichte nahezubringen, denen die Dimensionen der Wiedervereinigung oft nicht bewusst seien. Böhmer zitierte Margaret Thatcher, seinerzeit Premierministerin von Großbritannien und Nordirland, mit den Worten, die Umwandlung einer Plan- in eine Marktwirtschaft sei in etwa mit dem Unterfangen zu vergleichen, ein Omelett in rohe Eier zurückzuverwandeln.

„Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut“

Hans-Dietrich Genscher
Hans-Dietrich Genscher
Auch Hans-Dietrich Genscher warnte davor, die Leistungen der Deutschen im Einigungsprozess kleinzureden. „Es gibt keine Lasten der Einheit“, sagte Genscher, „sondern nur die Lasten von 40 Jahren sozialistischer Politik.“ Die Deutschen im Westen hätten mir ihrer Aufbauleistung das Vertrauen der Nachbarn nach dem Krieg wieder gewonnen, die Deutschen im Osten hätten es mit ihrer friedlichen Revolution 1989 gestärkt.

Schlusswort: Detlef Bischoff, Kuratoriumsvorsitzender der der Erhard-Hübener-Stiftung
Schlusswort: Detlef Bischoff, Kuratoriumsvorsitzender der der Erhard-Hübener-Stiftung
Diese, nach 1848, 1918 und 1953 erste friedliche und erfolgreiche Revolution habe Eindruck gemacht. Sein damaliger Amtskollege aus Frankreich habe ihm am Rande einer Sitzung zugesteckt, was die Außenminister Europas dachten: „Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut.“

Gemeinsam mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs habe man den weg zur Einheit frei gemacht und gegen Einheitsskeptiker im eigenen Land, vor allem im Westen, die den Ruf „Wir sind das Volk“ gerne mit der Parole „Wir auch!“ beantwortet hätten. Und es sei gerade die gemeinsame Verantwortung der Vier Mächte für das besiegte Deutschland gewesen, die für die Einheit des Landes stand. Mit ihnen habe man „in kurzer Zeit einen langen Weg zurückgelegt.“

Ausstellungseröffnung in Hans-Dietrich Genschers Geburtshaus
Ausstellungseröffnung in Hans-Dietrich Genschers Geburtshaus
Gerade heute, in einer immer enger zusammenrückenden Welt, gelte es zu verdeutlichen, welche Bedeutung die europäische Einigung als Vorbild habe für eine Weltordnung, die überall als gerecht empfunden wird.

Genscher erinnerte an den Beginn des europäischen Einigungsprozesses mit drei kleinen und drei großen Ländern, bei dem nicht mehr das Recht des Stärkeren galt – ein historisches Novum. Eine gerechte Weltordnung, „darüber müssen wir nachdenken, damit müssen wir anfangen“, sagte Genscher.

Anschließend eröffnete Genscher in der Begegnungsstätte Deutsche Einheit in Halle-Reideburg, seinem Geburthaus, die Foto-Ausstellung “Der steinige Weg zur Deutschen Einheit“.

Boris Eichler
Fotos: Ralf Lehmann

Fernsehbericht des mdr
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letzte Änderung: 14.09.2010


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