Navigation

Zur Startseite

Inhalt

"Wir sind Anpassungskünstler, wenn man uns nur lässt."


Das Liberale Institut hat das Buch von Meinhard Stalder, "Klimergiepolitik - Wie eine große Verwirrung die Themen Klima und Energie unzertrennlich macht", schon an dieser Stelle vorgestellt. Steffen Hentrich, Referent im Liberalen Institut, führte mit dem Autoren ein Interview (erschienen zuerst auf dem Blog des Liberalen Institut):



Hentrich:
Was hat sie motiviert ein Buch mit dem ungewöhnlichen Titel ?Klimergiepolitik? zu verfassen?


Stalder: Als ich im Jahr 2007 nach mehreren Jahren im Ausland wieder nach Deutschland kam, wurde ich schlichtweg erschlagen von den Medienberichten zum Thema Klima und CO2. Außerdem hatte ich einen Kollegen, der regelmäßig politisch korrekte Publikationen zum Thema Klima las und uns in jeder Mittagspause daran teilhaben lies. Bei strahlendem Sonnenschein sagte er missmutig, dass er sich - so wörtlich - um das Erdklima ernsthafte Sorgen machte. Da ich das Thema seit meiner Schulzeit laufend verfolgt hatte, wusste ich, dass der Startpunkt der Debatte mindestens bis in die Zeit der Ölkrisen zurückreichte, in der man überlegte, wie man denn langfristig ohne fossile Energieträger auskommen könnte. Ich recherchierte ein paar Jahre, bis ich genug Stoff zusammen hatte, um den Komplex aus Klima und Energie - im Zeitalter der Worthybride eben "Klimergie"- zu entwirren.



Hentrich: Ein großer Teil ihres Buches beschäftigt sich mit den Grundlagen und der Geschichte der Energiewirtschaft. Haben Sie den Eindruck hier bestehen in der Bevölkerung Wissenslücken?


Stalder: Ja, denn gerade für die Grundlagen interessiert sich kaum jemand. Viele Menschen wollen nur mitreden, und da reicht es, die in meinen Augen zu oberflächlichen Sichtweisen der meisten Tageszeitungen wiederzugeben. Unhandlich große Zahlenwerte, Stoffflüsse und übergeordnete Zusammenhänge finden die meisten zu anstrengend. Dabei ist das zugrunde liegende Fakten-Mosaik mitunter gespickt mit amüsanten Anekdoten. Mein Buch kann also frei nach Knigge nicht nur belehrend, sondern auch unterhaltsam sein.



Hentrich: Energiepolitik ist offenbar keine Erfindung der letzten fünfzig Jahre, sie reicht schon viel länger zurück. Weshalb ist die Energieversorgung im Vergleich zu anderen Märkten so ein Politikum?


Stalder: Energie ist unverzichtbar für unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben. Ohne preisgünstige Energieträger kämen sowohl Produktion als auch Transport von Gütern und Personen weitgehend zum Erliegen. Selbst die Landwirtschaft ist heute sehr energieintensiv (Düngemittel, Landmaschinen). Und schlimmer noch: bei eingeschränktem Transportwesen könnten lokale Missernten schnell zur Hungersnöten führen. Das lässt sich auch heute beobachten: Fast ausnahmslos sind Länder mit Subsistenzwirtschaft und schlechter Infrastruktur hiervon betroffen. Mitunter wird die Verteilung der Hilfsgüter in den letzten Winkel zum eigentlichen Problem.



Hentrich: Sie widmen ein ganzes Kapitel dem Erdöl. Was hat es gerade mit diesem Energieträger auf sich? Sind wir zu abhängig vom Öl? Was können wir dagegen tun? Welche Rolle spielt der Markt, welche die Politik?


Stalder: Ungefähr die Hälfte des Kapitels stammt aus einem sehr tiefschürfenden Buch eines Harvard-Professors zur Geschichte der Ölindustrie. Leider ist es 1000 Seiten stark und auf Englisch. Das schreckt hierzulande viele Leser ab. Ich habe die wichtigsten Aspekte auf 10 Seiten zusammengefasst und dabei immer schön darauf geachtet die Fußnoten richtig zu setzen.


Ja, vor allem im Transportsektor sind wir bis heute sehr abhängig vom Öl. Im Gegenteil geht hier der Trend weg von der Schiene (elektrisch) hin zu Lastwagen (Diesel) und Flugzeug (Kerosin). Hier sollten wir langfristig diversifizieren. Denn ohne Alternativen könnte es im Falle eines Engpasses (Krieg im Golf?) Verwerfungen geben, die von vielen Menschen als Marktversagen interpretiert werden könnten.


Die Lösung heißt aber nicht automatisch "Elektroauto". Auch Erdgas oder Wasserstoff wären gut, denn es käme aus anderen Quellen. Am besten wären Hybridantriebe, denn nur hier kann der Kunde auch nach dem Kauf des Autos auf geänderte Kraftstoffpreise reagieren. Auch wenn dieser Übergang sicherlich ohne staatlichen Eingriff funktionieren kann, halte ich eine moderate Förderung solcher Konzepte für durchaus angemessen. Vielleicht können wir dann in ein paar Jahren die fertigen Lösungen aus der Schublade ziehen und müssen nicht jahrelang auf deren Entwicklung warten. Eine planwirtschaftliche Einführung des Elektroautos oder gar eine Mengenbeschränkung der Ölimporte halte ich aber für unsinnig.



Hentrich: Nach ihrer Ansicht geht im Klimaschutz und der Energiepolitik vieles durcheinander. Für wie gravierend halten sie die Bedrohung des Klimawandels? Können wir dagegen überhaupt etwas tun?


Stalder: Unsere Spezies bezieht sein Habitat von den Tropen bis ins ewige Eis. Wir sind Anpassungskünstler, wenn man uns nur lässt. Wahrscheinlich haben uns erst die Eiszeiten der letzten 2 Mio Jahre zu dem gemacht, was wir sind. Und auch seit dem Ende der letzten Eiszeit hat es immer wieder Schwankungen gegeben, die größer waren, als das was wir heute beobachten. Zu diesen natürlichen Schwankungen kommt durch das CO2 wahrscheinlich ein kleiner Versatz ins Plus. Beides - Wärme und CO2 - lässt Pflanzen besser wachsen. Die Katastrophenszenarien ranken sich immer um das Wasser, mit dem oft nicht sorgsam genug umgegangen wird. Dürren, Erosionen und Missernten liegen aber meist an Überweidung und dem damit verbundenen Verlust intrinsischer Wasserspeicher. Die Diskussion muss weg vom CO2. Schlechtes Wassermanagement und wirkliche Schadstoffe, wie beispielsweise der Smog in Peking, sind die eigentlichen Probleme. Ganz abgesehen von Kriegen ums Öl.



Hentrich: Man hat den Eindruck, dass die Klimapolitik die Energiewirtschaft in Geiselhaft genommen hat. Welche Gefahren sehen Sie aus dieser Entwicklung? Wie kommen wir aus dieser, wie sie formulieren, "grossen Verwirrung" wieder heraus?


Stalder: Ich sehe die Gefahr darin, dass wenn in ein paar Jahren das Lügengebäude des IPCC zusammenbricht, es die Idee einer nachhaltigen Energieversorgung mit sich in die Tiefe reißt. Regenerative Energien sind ja etwas Positives. Nur sind sie eben zum Teil noch ein technisches und volkswirtschaftliches Experiment. Die Energiewende sollte sich als Schwelbrand ausbreiten und nicht als Strohfeuer. Dann lösen sich auch die Probleme wie Netzausbau und Subventionen von selbst.


Die Verwirrung kommt zum Teil daher, dass die Positionen extrem verhärtet sind. Beide Seiten arbeiten oft mit falschen Argumenten und möchten ihre eigenen Schwächen nicht eingestehen. Wer glaubt, dass 100% regenerative Energieversorgung möglich ist wird belächelt. Wer den Klimawandel anzweifelt gilt als Scherge der Ölindustrie. Ich hoffe, dass dieses Buch einen Beitrag dazu leistet, diese Fronten aufzubrechen.


Das Buch Klimergiepolitik ? Wie eine große Verwirrung die Themen Klima und Energie unzertrennlich macht ist zum Preis von 12,20 Euro im Buchhandel oder direkt über den BoD-Verlag erhältlich.

 

 Zum Liberalen Institut

letzte Änderung: 25.02.2013


Twitter

Blog des Liberalen Instituts

02.09.2014: Wachsende Lasten durch Alterung in der EU mehr...

02.09.2014: Warum fett? mehr...

01.09.2014: TÜRKEI BULLETIN 16/14, 15.-31. August mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Schaufenster Stiftung