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Wie in Deutschland Schulen gelingen können

Diskussion über Bildung der Zukunft auf dem 11. Liberalen Symposium in Heppenheim

Matthias Hegyaljai, Reinhold Stämmler, Dr. Peter Altmiks (von links)
Matthias Hegyaljai, Reinhold Stämmler, Dr. Peter Altmiks (von links)
Spätestens nach der ersten PISA-Studie ist die Vernachlässigung von Bildung als Achillesverse dieses Landes erkannt worden. Und spätestens seit diesem Zeitpunkt ist man in Deutschland auf der Suche nach erfolgreichen Schulmodellen, vorzugsweise im Ausland. Schulen, die gelingen, gibt es aber auch in Deutschland. „Treibhäuser der Zukunft“ nennt der Journalist und Bildungsexperte Reinhard Kahl in seinem gleichnamigen Film solche Bildungsstätten, in denen nicht nur Wissen vermittelt und Zertifikate vergeben, sondern in gedeihlicher Atmosphäre – in einer Mischung von Konzentration und Entspannung - unterschiedlichste Talente sich entwickeln können.
Unter der kundigen Moderation von Peter Altmiks, Referent beim Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, diskutierten ausgewiesene Experten im Gründungssaal der Freien Demokraten in Heppenheim über die Frage, was in Deutschland erforderlich ist, damit Schulen gelingen können.

Der Geschäftsführer der CLUB OF ROME-SCHULEN in Deutschland, Axel Beyer, wies dabei insbesondere darauf hin, wie wichtig nicht nur das persönliche Engagement des einzelnen Lehrers sondern gerade auch die Struktur von Schulen ist, damit nachhaltige Bildung auf Dauer gewährleistet sei. Ziel des CLUB OF ROME sei es, Schulen mit besonderer Prägung im unterrichtlich-pädagogischen Bereich zu entwickeln und zu unterstützen. Und zwar Schulen als pädagogische Dienstleistungsbetriebe mit einer durchgängigen Unterrichts- und Erziehungsarbeit vom 3. Lebensjahr an, wobei die Vermittlung von Werten eine herausragende Stellung einnehme. Durch die Betonung von sog. „Lernarrangements“, wie bspw. die Verknüpfung von individueller und Gruppenarbeit, einer breiten und tiefen Grundausbildung, der Verbindung von Geist und Körper, Kopf und Bauch sowie nicht zuletzt der Übernahme von Gemeinschaftsaufgaben in die täglichen Schulabläufe, sollen modernste Schulen in Deutschland entwickelt werden, von denen zur Zeit etwa 20 existieren.

Der Leiter der Heinrich Metzendorf-Schule, Matthias Hegyaljai, erläuterte das umfassende und komplexe Bildungsangebot der Beruflichen Schulen des Kreises Bergstraße in Bensheim, das die verschiedensten Schulformen organisatorisch zusammenfasst. Das Unterrichtsangebot richtet sich an Jugendliche und Erwachsene mit Berufsausbildungsvertrag, die sich nach Vorbildung, kulturellem Hintergrund, den Erfahrungen aus den Ausbildungsbetrieben und beruflichen Tätigkeiten z. T. erheblich unterscheiden. Das Unterrichtskonzept strebt – ähnlich den CLUB OF ROME-SCHULEN - eine umfassende Handlungskompetenz an, die nicht nur fachliche, sondern auch methodische und soziale wie interkulturelle Kompetenzen berücksichtigt. Des Weiteren werden Maßnahmen der sozialen Integration und Persönlichkeitsentwicklung gefördert.

Umfassende Bildung als Voraussetzung für Wertschöpfung hat die Wirtschaft schon seit längerem erkannt. Reinhold Stämmler, Geschäftsführer der Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen/VhU, stellte aus dieser Sicht das Projekt „Selbstständige Schule 2015“ vor, das durch spezielle Aktivitäten – wie Qualitätsoffensiven, Innovationswettbewerben, Ausbau von Bildungspartnerschaften – ein ambitioniertes Ziel erreichen will. Zugute komme diesem Projekt, dass jenseits vergangener politischer Grabenkämpfe im Bereich der Schulpolitik heute zumindest in einer Frage politischer Konsens bestehe: der Erkenntnis, dass die Schulen insgesamt mehr Selbstständigkeit und Freiheit brauchen. Ausgerichtet an internationalen Erfolgsmodellen in Finnland, Schweden und Schottland wird die „lernende Schule der Zukunft“ angestrebt. Ihre zentrale Kennzeichen sind: Stärkung der Schulleiterrolle, Budgethoheit, Systematisierung der Personal-, Organisations- und Unterrichtsentwicklung sowie effektives Qualitätsmanagement. Auf diesem Wege soll Deutschland bei PISA 2015 bereits den zweiten Platz belegen.

Jöran Muuß-Merholz vom „Archiv der Zukunft“, das Entwicklungen aus den Bildungslandschaften in Deutschland und anderen Ländern dokumentiert, wies abschließend noch einmal auf notwendige klimatische und kulturelle Veränderungen hin: Wenn die Schulen freier seien, und die Verantwortlichen sich vor Ort als Gastgeber verstünden, könne sich nach und nach auch eine „Kultur der Wertschätzung“ entwickeln.

Dieser kurze imposante Bildungsabend reichte freilich nicht aus, um nur angerissene weitergehende Fragen – etwa nach dem „Bild von Bildung“, das wir heute haben – zu beantworten. Die Frage nach einer angemessenen Bildung in der nachindustriellen Gesellschaft wird die Friedrich-Naumann-Stiftung aber im Rahmen ihrer Initiative „pro kopf“ noch in zahlreichen weiteren Veranstaltungen vertiefend diskutieren.

Michael Roick
Leiter Regionalprogramm
Leiter Regionalprogramm
letzte Änderung: 12.09.2008


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