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"Was hätte Milton Friedman gegen die Finanzkrise getan?"


"Markt, Freiheit und Reform - Ein Milton-Friedman-Brevier"
"Markt, Freiheit und Reform" heißt das Milton-Friedman-Brevier, das gerade von Gérard Bökenkamp herausgegeben wurde. Darin wird der berühmte Ökonome und und liberale Denker knapp und präzise vorgestellt, was es auch für den "Einsteiger" attraktiv macht. Freiheit.org hat zu diesem Anlass ein Interview mit Bökenkamp geführt.

Freiheit.org: Für alle, die den Namen Milton Friedman noch nie gehört haben. Wer war das?

Gérard Bökenkamp: Neben John Maynard Keynes war Friedman wahrscheinlich der einflussreichste Ökonom des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1976 erhielt Friedman den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Sein zentrales Thema war die Geldpolitik. Er vertrat die Position, dass Inflation immer darauf zurückzuführen ist, dass zu viel Geld in Umlauf gebracht wird. Deshalb empfahl er den Zentralbanken, sich strikt auf die Geldwertstabilität zu konzentrieren und die Geldmenge zu kontrollieren.

Wegen der hohen Inflationsraten in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gewannen seine Empfehlungen immer mehr Zuspruch. Die Bundesbank etwa ging schon 1974 zur direkten Geldmengensteuerung über. Darüber hinaus setzte er sich für die Durchsetzung der freien Marktwirtschaft ein und war Berater von Premierministerin Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan.

Freiheit.org: Welche Maßnahmen hätte Friedman vorgeschlagen, um die Finanzkrise in der EU zu überwinden?

Gérard Bökenkamp: Das zu beantworten ist natürlich sehr spekulativ. Friedman selbst stand dem Euro skeptisch gegenüber. Er glaubte nicht an den Erfolg der neuen Währung und empfahl sich rechtzeitig darüber Gedanken zu machen, wie ein Land im Krisenfall wieder aus dem Euro austreten könne.

Friedman war im Übrigen anders als andere liberale Ökonomen wie Friedrich August von Hayek oder Ludwig von Mises durchaus der Ansicht, dass in Krisenzeiten die Geldpolitik gelockert werden könne. Entscheidend für ihn war aber, dass die Geldpolitik berechenbar bleibt. Er empfahl die Zentralbanken sollten ihre Geldmengenziele auf Jahre hinweg vorankündigen und sich dann von der Politik nicht beeinflussen lassen. So bliebe die Geldpolitik für die Märkte berechenbar und Panikreaktionen würden vermieden. Nationale Schuldenbremsen würde er wahrscheinlich befürworten und darüber hinaus eine weitere Liberalisierung der Arbeitsmärkte fordern.

Freiheit.org: Wenn die Theorien von Keynes gescheitert sind, weswegen werden sie in der Finanzkrise dann immer wieder als Lösung in die Diskussion geworfen?

Gérard Bökenkamp: Ich glaube, das hat mit zwei Faktoren zu tun: Dem begrenzten Erinnerungsvermögen und der kurzfristigen Denkweise in der Politik. In den achtziger Jahren und zum Teil noch in den 90er Jahren war die Erinnerung an die Krise der siebziger Jahre bei den politischen Entscheidungsträgern noch vorhanden.

Die Konjunkturprogramme, die etwa von Helmut Schmidt auflegt wurden, liefen damals ins Leere. Sie trugen erheblich zum Einstieg in die Staatsverschuldung bei, aber nach einem halben Jahrzehnt Konjunkturpolitik – Anfang der achtziger Jahre – erreichte die Arbeitslosigkeit dennoch Rekordniveau. Diese Erfahrung ist heute nicht mehr präsent. Was aber noch präsent ist, ist der Umstand, dass man sich als Politiker mit kurzfristiger Verschuldungspolitik als „Macher“ profilieren kann. Helmut Schmidt profitiert ja heute noch von diesem Mythos.

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letzte Änderung: 19.06.2012


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