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Was bringt die deutsche EU-Ratspräsidentschaft?

Sind 100 % EU auch 100 % Europa?
Sind 100 % EU auch 100 % Europa?
Am 1. Januar 2007 übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. In nur sechs Monaten soll ein ehrgeiziges Programm abgearbeitet werden. Auf der Tagesordnung stehen der Beitritt von Bulgarien und Rumänien, die Frage der Energiesicherheit und ein wahrer „Gipfelmarathon“ der Staats- und Regierungschefs, die unter anderem im März in Berlin zur Feier von 50 Jahren Römische Verträge zusammenkommen, durch die die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet wurde.

Logo der deutschen Ratspräsidentschaft 2007
Logo der deutschen Ratspräsidentschaft 2007
Die EU-Partner erwarten von Deutschland, dass es sich als „ehrlicher Makler“ betätigt, Kompromisse auslotet und insbesondere der auf Eis liegenden Europäischen Verfassung neues Leben einhaucht. Nach Ansicht des Referenten, Jochen Leyhe, Mitarbeiter der Theodor-Heuss-Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung, können die hohen Erwartungen nur enttäuscht werden. Bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Mai 2007 werde keine Entscheidung von Substanz gefällt werden. Gleichwohl müsse die Bundesregierung die Diskussion um die Zukunft Europas voranbringen. Dies dürfe aber keine Diskussion der Fachbeamten und Europapolitiker bleiben. Europa müsse wieder zu einem „Bürgerprojekt“ werden. So hätten sich liberale Politiker im Europaparlament schon frühzeitig für eine europaweite Volksabstimmung über die Verfassung ausgesprochen. Europapolitik müsse zudem „ein Gesicht“ erhalten und wieder mit bekannten Persönlichkeiten verbunden werden.

Nicht nur bei den Teilnehmerinnen der Veranstaltung, sondern auch weit darüber hinaus umstritten war und ist die Frage nach der „Finalität“ und den Grenzen der Europäischen Union. Mit einer rein geographischen Definition Europas komme man nicht weiter. Es möge zwar kurios erscheinen, genau genommen aber könne man Europa als westliche Halbinsel von Asien betrachten, so Jochen Leyhe. Europa müsse sich vor allem über gemeinsame Werte und Interessen definieren. Die EU habe 2007 488 Mio. Einwohner und damit fast 200 Mio. mehr Einwohner als die USA.

Außenpolitisch sei die EU im Vergleich aber immer noch ein Zwerg. Die geplante EU-Verfassung sorge auch dafür, dass die EU mit einem „Europäischen Außenminister“ mehr Gewicht in der Welt erlange. Das „Europa der 27“ könne nicht mehr funktionieren wie das „Europa der sechs Gründerstaaten“. Die Europäische Verfassung sei selbstverständlich ein Kompromiss. Kein Land könne nur seine eigenen Interessen durchsetzen. Die Teilnehmerinnen waren sich aber einig: „Europa ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte“.

Jochen Leyhe

Website der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007

Veranstaltungstipp:

"50 Jahre und (k)ein bisschen weise"? - EUropa vor neuen Herausforderungen
letzte Änderung: 12.09.2008


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