Warum der Kapitalismus den Schwulen und Lesben nützt

Kauch, Crawhall „Menschenrechte von Homosexuellen oder Lifestyle Homosexualität?“ – unter diesem Titel veranstaltete die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit der Initiative Queer Nations ein Seminar in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Mitinitiator war der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch .
Die Referenten und Teilnehmer gingen den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Grund, die dazu führen, dass in einigen Ländern Homosexuelle verfolgt, in anderen gleichgestellt werden. Zur Frage, ob marktwirtschaftliche Systeme eine Verbesserung der Menschenrechtssituation Homosexueller begünstigen, referierten Jan Feddersen (Queer Nations) und Wolfgang Boger vom Liberalen Institut.
Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Rechten für Homosexuelle

Dettling Jan Feddersen konzentrierte sich auf die Entwicklung von Individualismus im Zuge der Industrialisierung von Gesellschaften, Wolfgang Boger zeigte mit einer empirischen Länderanalyse, dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Rechten für Homosexuelle gibt. Marktwirtschaft sei zwar kein Garant, aber notwendige Bedingung für die Gleichstellung Homosexueller. Nur ein einziges Land mit geringer wirtschaftlicher Freiheit hat positive Rechte für Homosexuelle geschaffen (Argentinien). Umgekehrt wird insbesondere in einer modernen Ökonomie, in der Kreativität eine besondere Rolle spielt, eine tolerante und weltoffene Gesellschaft zum Standortfaktor, wie Daniel Dettling (Berlinpolis) in seinem Vortrag betonte.
Die besonders schlechte Menschenrechtssituation für Schwule in Afrika begründete Nigel Crawhall aus Südafrika mit der Tatsache, dass außerhalb der Städte vielfach nicht kapitalistisches, sondern traditionell agrarisches Wirtschaften vorherrscht. Diese Gesellschaften brauchen die heterosexuelle Reproduktion als Grundpfeiler des Arbeitskräftebedarfs der Familien. Er empfahl den Lesben und Schwulen in Afrika, ihre Situation über Lobbying bei den Vereinten Nationen zu verbessern – so, wie es andere Minderheiten (etwa indigene Völker) in Afrika bereits getan haben.

Feddersen Im Fokus stand außerdem die Entwicklung in Deutschland. Der Historiker Andreas Pretzel von der Magnus Hirschfeld Gesellschaft erhellte insbesondere die dunklen 50er Jahre mit ihrer Schwulenverfolgung. Nicht zuletzt der Einfluss katholischer Vorfeldorganisationen und der Wunsch nach „Sitte und Moral“ nach dem Nationalsozialismus habe die massive strafrechtliche Verfolgung Homosexueller ausgelöst.
Weniger fundamentalistische Interpretation von Religion gefragt

Wandel Manfred Bruns vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) thematisierte die Hintergründe der sich wandelnden Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts. Auf die Rolle der Religionen gingen der evangelische Theologe Jürgen Wandel (Zeitschrift „Zeitzeichen“) und Andreas Hieronymus vom Institut für Migrations- du Rassismusforschung Hamburg ein.
Jürgen Wandel skizzierte den unterschiedlichen Umgang der evangelischen Landeskirchen mit eingetragenen Lebenspartnerschaften und betonte, dass die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre einer Revolution gleiche vor dem Hintergrund der 2000jährigen Tradition der Kirche. Hieronymus beleuchtete insbesondere auf den Umgang mit Homosexualität in der Türkei und die Sicht des Islams. Fazit des Seminars: Sowohl die marktwirtschaftliche Ordnung als auch eine weniger fundamentalistische Interpretation von Religionen begünstigt die Menschenrechtslage Homosexueller.
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Programm der Veranstaltung
Skript Wolfgang Boger (PDF)





