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Vor 80 Jahren: Nobelpreis für Stresemann

Festveranstaltung in Weimar

Gustav Stresemann
Gustav Stresemann
Auf einer Festveranstaltung anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Gustav Stresemann vor 80 Jahren hat der Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Wolfgang Gerhardt, dessen politische Leistungen gewürdigt und auf den außergewöhnlichen Lebensweg des wohl größten Staatsmannes der Weimarer Republik verwiesen. In der vollbesetzten neuen Weimarhalle - in Anwesenheit der Schwieger- und Enkeltöchter, Mary Jean Stresemann und Dr. Christina Stresemann – ließ er keinen Zweifel daran, dass dieser außergewöhnliche Politiker in die von der Stiftung gepflegte liberale Traditionslinie gehört: „Stresemann gehört zu den Persönlichkeiten, die diesem Land gut getan haben!“

Folgten der Einladung: Dr. Christine Stresemann, Mary Jean Stresemann, Joachim Russ, Stresemann-Gesellschaft e.V. (2.v.l.)
Folgten der Einladung: Dr. Christine Stresemann, Mary Jean Stresemann, Joachim Russ, Stresemann-Gesellschaft e.V. (2.v.l.)
Er habe unter außerordentlich schwierigen innen- und außenpolitischen Bedingungen Großes bewirkt. Aber das Beispiel der – letztlich gescheiterten – Weimarer Republik mache eben auch deutlich, dass eine demokratische Verfassung wenig nütze, wenn eine Gesellschaft sie nicht leben wolle. Tragisch sei es nicht nur für Stresemann, sondern für den ganzen Weimarer Liberalismus gewesen, dass nach der Novemberrevolution die eine große liberale Partei nicht zustande gekommen sei. An Stresemann habe dies freilich nicht gelegen, aber er habe darunter gelitten, weil er sich in einer Partei (DVP) befand, in der es erhebliche Widerstände gegen seinen späteren Kurs als Vorsitzender und als Minister gegeben habe: „Nicht auszudenken, was Stresemann als Gallionsfigur einer großen genuin liberalen Partei hätte leisten können und welches Schicksal die erste deutsche Demokratie dann genommen hätte.“

Dennoch sei die Politik Stresemanns ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehörten und sich ergänzen müssten, wenn man liberaler Politik Erfolg wünsche. Als „eigentlicher Vater“ und später als „Klammer“ der Großen Koalition habe es zweimal auf seine Initiative hin ein solches Regierungsbündnis von den nationalliberalen bis zu den sozialdemokratischen Kräften im Parlament gegeben, einmal mit ihm als Reichskanzler und dann noch einmal 1928 mit ihm als dem eigentlich leitenden (Außen-)Minister.

Nach zwei Grußworten vom Bürgermeister der Stadt Weimar, Christoph Schwind, und dem FDP-Landesvorsitzenden Uwe Barth, war es dem Historiker und Stresemann-Biographen Prof. Eberhard Kolb vorbehalten, in klar gegliederten und pointiert formulierten Darlegungen Leben und Leistungen Stresemanns anschaulich zu skizzieren. Dabei hob er immer wieder dessen „eminente Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen“ hervor: Herkunft und Studienzeit, sein früher Aufstieg zum Industriesyndikus und nationalliberalen Politiker, seine Positionen und Vorstellungen von einem „Siegfrieden“ im Ersten Weltkrieg wie schließlich sein Wandel vom Monarchisten zum „Vernunftrepublikaner“.
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letzte Änderung: 12.09.2008


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