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Vor 80 Jahren: Nobelpreis für Stresemann

Gustav Stresemann
Gustav Stresemann
„Am Ende seines Lebens stand Stresemann für die Werte von Anstand und Toleranz im öffentlichen Leben Deutschlands.“ So wird der bereits im Alter von 51 Jahren verstorbene liberale Politiker und europäische Staatsmann Gustav Stresemann von seinem Biografen, dem Oxforder Historiker Jonathan Wright, beschrieben.

Dabei waren seine politischen Überzeugungen keinesfalls von Beginn an demokratisch ausgerichtet. Stresemann (1878–1929) entwickelte sich vielmehr vom glühenden Monarchisten und späteren „Vernunftrepublikaner“ zum aufgeklärten Europäer und Friedensstifter. Seine Verdienste um den Erhalt der Demokratie in den Krisenjahren 1923/24, als er für kurze aber entscheidende Zeit auch Reichskanzler war, sind heute unstrittig. Vor allem aber war er in seiner Funktion als Außenminister (1923–29) der Architekt einer auf friedlichen Ausgleich gerichteten Politik mit dem Westen, die in den „Locarno-Verträgen“ (1926) und Deutschlands Beitritt zum Völkerbund (1926) ihren Gipfel erreichte. Im selben Jahr erhielt er – gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand – den Friedensnobelpreis.

Er war der Anwalt für kontinentale Stabilität und den engeren Zusammenschluss der europäischen Staaten. Hans-Dietrich Genscher beschreibt in seinen Erinnerungen, wie er als Außenminister in seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung im September 1974 an bestimmten Forderungen seines „großen Vorgängers im Auswärtigen Amt“ und „großen deutschen Liberalen“ anknüpfen konnte. Stresemanns Plädoyer etwa für „neue Formen der internationalen Kooperation“ und die „innere Verpflichtung der Staaten zu gemeinsamem friedlichen Zusammenwirken“ hätten noch „50 Jahre später die deutsche UNO-Politik beeinflusst.“

Die Festveranstaltung am kommenden Samstag in Weimar anlässlich des 80. Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises würdigt das Lebenswerk Stresemanns, fragt nach den Traditionslinien seiner Außenpolitik und setzt aktuelle – liberale – Impulse für die Weiterentwicklung der europäischen Integration.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung Dr. Wolfgang Gerhardt geht es in einem Gespräch zwischen Dr. Christoph Bertram und Hans-Dietrich Genscher um außenpolitische Traditionslinien in der Nachfolge Stresemanns. Prof. Eberhard Kolb (Köln) beschäftigt sich mit der Biographie Stresemanns. Schließlich werden, moderiert von Henning Krumrey (FOCUS), Prof. Dr. Walter Stützle, Markus Löning MdB und Dr. Jorgo Chatzimarkakis MdEP liberale Impulse für das Europa von morgen diskutieren.

Programm und Anmeldung
letzte Änderung: 12.09.2008


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