Von Deutschland lernen

Fernsehdiskussion IN FOCUS Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und Aussöhnung mit seinen Nachbarn nach dem 2. Weltkrieg waren Thema einer Diskussion mit einer Delegation von südkoreanischen Kommunalbeamten, Gemeinderatsmitgliedern und Wissenschaftlern in der Geschäftsstelle der Stiftung in Potsdam.
Die japanische Regierung wurde in der Vergangenheit immer wieder von Korea und China bezichtigt, seine eigene Geschichte zu verklären und die früheren Aggressionskriege weiß zu waschen. Kürzlich reagierten Japan’s Nachbarn mit grosser Enttäuschung und Verärgerung auf die Genehmigung von kontroversen Geschichtslehrbüchern durch das japanische Bildungsministerium. Die Texte würden die japanische Kolonialzeit auf der koreanischen Halbinsel verherrlichen und Kriegsverbrechen beschönigen. Derzeit wird überlegt, ob ein Dialog zwischen Historikern der betroffenen Länder helfen kann, den Streit beizulegen.
Sascha Tamm, Verteter des Liberalen Instituts der Stiftung, verwies auf die Erfahrungen der Stiftung im Bereich des Historikerdialogs, zum Beispiel in Bosnien-Herzegovina. Ziel dieses Projekts ist es, Themen von z.T. höchster emotionaler Brisanz im fachwissenschaftlichen Dialog zu diskutieren und damit einen Beitrag zur Aufarbeitung und nüchternen Betrachtung kontoverser Themen zu leisten.
Die Reise der südkoreanischen Delegation wurde vom Partner der Stiftung in Korea, dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang Universität, organisiert und führte auch in die Tschechische Republik und nach Ungarn. Ein weiterer Themenschwerpunkt des Informationsbesuchs war Deutschlands Erfahrungen bei der Reform von Verwaltungspraktiken auf Gemeindeebene.

Südkoreanische Delegation zu Besuch in Potsdam Der Projektleiter der Stiftung in Korea, Ulrich Niemann, war vor kurzem zu einer Fernsehdiskussion über Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und Japan eingeladen. Die zentrale Frage der Sendung war, inwieweit Japan von den Erfahrungen Deutschlands, insbesondere der Aussöhnung mit seinen Nachbarn Frankreich und Polen nach 1945 lernen könnte. Herr Niemann verwies darauf, dass Aus- und Versöhnung eine lange Tradition in Europa hätten, bereits in den 1920er Jahren hätte es eine deutsch-französische Schulbuchkommission gegeben. Aussöhnung war auch Bestandteil der Ostpolitik über den Eisernen Vorhang hinweg und eine wichtige Voraussetzung für den europäischen Integrationsprozess.
Er fügte hinzu, dass Aussöhnung heutzutage eine globale Dimension hätte, um Frieden und Stabilität zu schaffen. Abgesehen von den Kriegsverbrechen der Deutschen und Japaner müsse man auch nach Afrika und ins ehemalige Jugoslawien blicken. „Wir Deutsche möchten andere Länder nicht belehren, wie sie ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten sollen, aber wir Deutsche haben eine wichtige Erfahrung gemacht: wenn man seine eigene Geschichte selbstkritisch beleuchtet, dann gewinnt man Freunde und verliert keine Freunde. Jeder der dies möchte, sei herzlich eingeladen, diese Erfahrungen zu teilen.





