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Über die Freiheit

Zum 200. Geburtstag von John Stuart Mill

Podium
Podium
Aus Anlass des 200. Geburtstages von John Stuart Mill (1806 – 1873) veranstalteten das Liberale Institut und das Büro Berlin-Brandenburg der Friedrich-Naumann-Stiftung in Berlin-Wilmerdorf einen Politischen Club, um an das Werk und den Verdienst des liberalen Denkers und Politikers zu erinnern.

In einführenden Worten betonte Dr. Detmar Doering, Leiter des Liberalen Institutes, die Bedeutung Mill’s philosophischer Ansätze aus sozial-liberaler Sicht. So sei der Staat kein Selbstzweck, sondern müsse den Interessen des Individuums dienen. Staatliche Unterstützung müsse, folgt man Mill’s Ansatz, so gering sein, dass der Bedürftige einen Anreiz habe, sich aus der Armut selbst „zu befreien“.

Prof. Bernd Gräfrath
Prof. Bernd Gräfrath
Professor Bernd Gräfrath, Universität Duisburg-Essen, resümierte in seinem Vortrag über Mills Schaffen, die Freiheit sei für Mill der "erste und stärkste Wunsch der menschlichen Natur", sie bewirke den menschlichen Fortschritt. Das Grundproblem der Freiheit bestehe nach Mill im Konflikt zwischen individueller Freiheit und Gesellschaft.
In seiner utilitaristischen Theorie vertritt Mill den Ansatz, dass menschliche Handlungen darauf ausgerichtet sein müssten, das Wohl oder den Nutzen der Gesamtheit der Menschen zu vermehren. Dabei es gehe es "um das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl". Somit stünde nicht der Eigennutz des Individuums im Mittelpunkt, sondern das „Glück“ der Gesellschaft als Ganzem, so Gräfrath.
Dennoch warnte Mill, so Gräfrath, vor der Tyrannei der Mehrheit und Uniformität, weshalb er den Bildungsbereich nicht dem staatlichen Monopol opfere. In der Bildung der Bürger sieht Mill den Schlüssel für die Erlangung und Ausgestaltung der Freiheit des Einzelnen. Gebildete und aufgeklärte Bürger könnten den Wert der Freiheit erkennen und somit den Fortschritt der Gesellschaft mitgestalten. Die Garantie und Sicherung der Freiheit des Einzelnen führe langfristig zur Freiheit der Gesellschaft.
Mills Freiheitsdenken umfasse eine Vielzahl an Bereichen: Meinungsfreiheit, individuelle Freiheit in der Lebensgestaltung sowie Vereinigungsfreiheit. Jedoch sieht Mill die Freiheit des Einzelnen durch die Abhängigkeit und Willkür der Arbeitgeber gefährdet, weshalb er für die Privatisierung von Teilbereichen der Wirtschaft plädiere. Dies bewertete Gräfrath als sozialistischen Ansatz in Mills Werk.

Prof. Joachim Starbatty
Prof. Joachim Starbatty
Doering griff diese Aussage auf, um Ludwig Mises zu zitieren, der gesagt hat: Mill sei ein großer Anwalt des Sozialismus gewesen. Dem widersprach Professor Joachim Starbatty, Universität Tübingen. Mill habe sich zwar gegen die Ungleichheit zwischen Besitzenden und Arbeitenden ausgesprochen. Er hätte nicht von Verstaatlichung und von Umverteilung im heutigen Sinne argumentiert, vielmehr kritisierte er nicht legitimierte Klasseninteressen: Jemand, der in der „Lottery of Life“ kein großes Erbe antreten könne, würde immer benachteiligt sein. Die so benachteiligten Arbeiter könnten sich in Kooperationen oder Genossenschaften zusammenschließen, um so die „Früchte ihrer Arbeit“ zu nutzen. Dies würde nach Mill, so Starbatty, nicht in einer Umverteilung von reich zu arm enden. Der wichtigste Wert hierbei sei die Freiheit, welche durch eine Freiheit sichernde Politik gewährleistet würde. Die Freiheit des Arbeiters, die Produkte seiner Arbeit zu verwerten, wäre nicht mit sozialistischem Gedankengut vereinbar, schlussfolgerte Starbatty. Im Sozialismus würden hingegen Freiheiten und Individualität beschnitten.

In der anschließenden Diskussion ging Frank Schäffler MdB, FDP, auf Mills Bedeutung für die heutige Politik ein. Zunächst hob Schäffler hervor, dass Mill bereits für das Frauenwahlrecht eintrat und somit als äußerst fortschrittlich für seine Zeit galt. Mill habe über den Tellerrand hainausgeschaut, das Gleiche müssten die Liberalen heute auch wieder stärker machen. Wie heute die Liberalen, habe Mill die Bürokratie und den ausufernden Staat kritisiert. Nicht der Staat könne die Probleme lösen, sondern die Bürger wüssten am besten, wie dies geschehen solle. Starbatty unterstützte diese Aussage. Man müsse den Bürger aus seiner Unmündigkeit befreien, die der Staat ihm auferlegt habe. Freiheit bedeute Verantwortung für seinen eigenen Lebensentwurf. Die Möglichkeit des Scheiterns dürfe nicht im Rufen nach dem Schutz durch den Staat enden. In der Freiheit des Einzelnen liege, so Gräfrath, das Glück für alle begründet. Ergänzend betonte Schäffler, dass Verantwortung und Eigeninitiative hierfür Voraussetzungen seien, die auch heute wieder zum Maßstab des Handelns aller Bürger werden müssten.

Eine Biografie über Mill finden Sie in der Online-Biblitothek des Liberalen Institutes.

Die Veranstaltung wurde gefördert aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin.

Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg
letzte Änderung: 12.09.2008


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